irgendwann musste es passieren - 1. Spielabbruch

  • Ich hatte schon vor dem Spiel ein mulmiges Gefühl. Es sollte sich im Verlauf der 75 Minuten die letztlich gespielt wurden, bewahrheiten. Zwei Mannschaften aus dem Tabellenkeller der Kreisliga. Heim, so gut wie abgestiegen. Zwar rechnerisch noch möglich, dass sie drin bleiben, praktisch aber äußerst unwahrscheinlich. Gast irgendwo im unteren Niemandsland der Tabelle, weit genug vom Abstieg weg. Strömender Regen den gesamten Vormittag und regelmäßige Schauer den Rest des Tages. Der Platz...total aufgeweicht und als Fußballfeld gerade noch hinnehmbar.


    Los ging es bereits nach vier Minuten mit einer ersten Ermahnung an einen Spieler der Heimmannschaft. Er packte eine Grätsche, der Marke "erstmal reinsensen und dann gucken was passiert" aus und hatte Glück, dass er vorher voll umfänglich den Ball traf. Dennoch pfiff ich, da ich früh im Spiel klar machen wollte, dass mir dieser Einsatz zu dynamisch war. Sechs Minuten später das gleiche nur auf der anderen Seite gut 10 Meter rechts vor dem Strafraum. Diesmal traf der Spieler der Gastmannschaft allerdings nicht den Ball und ich ermahnte in lautstark und für alle hörbar, dass ich solche Aktionen nicht mehr sehen und fortan konsequent ahnden werde. Die Proteste des Trainers der Gastgeber, welche eine Karte sehen wollten, ignorierte ich und erklärte dem Spielführer, welcher kurz nachfragte, warum ich die karte stecken ließ. Er und auch der gefoulte Spieler waren mit dieser Erklärung auch einverstanden. Danach blieb es erstmal eine Weile ruhig. hier mal ein Halten, da mal ein Schubser. Alles nichts wildes und es schien, als hätten sich beide Mannschaften erstmal wieder auf Fußballspielen fixieren wollen. Ein von mir aufgrund von Abseits nicht gegebenes Tor der Heimmannschaft kochte die Stimmung dann wieder etwas hoch. Flanke von link in die rechte Strafraumhälfte, Stürmer zieht direkt ab, TW pariert, zweiter Stürmer der beim Torschuss zu früh rein lief, weil er die Flanke per Kopfball versenken wollte, stand noch zu tief drin und schob dann den Ball rein. Klare Sache, befand übrigens auch der Stürmer der den Torschuss abgab. Der vermeintliche Torschütze sah es_natürlich_ anders. Wenige Minuten danach kam Gast dann durch einen gut herausgespielten Konter zur Führung, welche sie nach einem Eckball auf 2:0 ausbauten. Damit gings dann auch ohne weitere nennenswerte Vorkommnisse in die HZP.


    In selbiger hielt ich mich auf der gegenüberliegenden Seite der Trainerbänke auf und machte Notizen zur Halbzeit. Da kam auch schon ein Zuschauer, welchem ich zunächst für den Co-Trainer hielt, da er bei der Heimmannschaft in der Coachingzone saß und sich außer ihm nur der Trainer sowie die Wechselspieler dort niemand anders aufhielt. Er echauffierte sich über die nicht gegebene Karte zu beginn des Spiels und warf mir vor, so unnötige Härte und Emotionen ins Spiel gebracht zu haben. Auch würde ich sehr einseitig pfeifen und nur auf einer Seite Karten verteilen. Zumindest mit letzter Aussage hatte er recht, da es tatsächlich 2:0 für Heim stand, was die Karten betraf. Eine gabs für ein taktisches Foul im Mittelfeld, die zweite direkt im Anschluss an dieses Foul für das Ballwegwerfen eines Spielers, der sich und seiner Mannschaft zeit verschaffen wollte. Offensichtlich weiß er nicht, dass ich das Spiel nach einer GK wieder per Pfiff freigeben muss...Nun ja. Nachdem mich besagter Offizieller...ähhh Zuschauer dann weiter beleierte kam auch schon der Ordnungsdienst aufs Feld und begleitete den netten Herrn vom Feld. Einer der Ordner blieb bei mir und fragte nochmal höflich nach, warum ich zu Beginn so entschieden habe. Ich erklärte ihm meine Sichtweise und mein Motiv und er fand, dass mein Lösungsansatz richtig war und der Zuschauer, seines Zeichens eigentlich Spieler aber "gesperrt (welch Zufall)" schon immer unbelehrbar war. Kurz noch ein wenig getrunken, dann gings auch weiter mit HZ 2. Und nun sollte es richtig los gehen.


    10 Minuten nach Wiederanpfiff, verkürzte Heim auf 1:2 und eine weitere Minute später glichen sie sogar aus. Gast war ein wenig geschockt und versuchte es zunächst nur mit langen Bällen nach vorne. "Bloß nicht aufmachen und Risiko eingehen" schien das Motto. Einer dieser Bälle kam dan auch an, der Stürmer rannte aufs Tor zu und ein Verteidiger versuchte ihm zunächst den Ball wegzuspitzeln. Der Stürmer schirmte den Ball jedoch gut ab und so wusste sich der Verteidiger nicht anders zu helfen, als sich einzuhaken und sich fallen zu lassen. Dabei riss er den anderen Spieler natürlich mit zu Boden, Für mich ein klarer Fall: Strafstoß. Der Verteidiger beteuerte seine Unschuld und sagte, dass er runtergedrückt worden ist und dann im Fallen. Ich ging aber sofort auf meine Position und schickte alle Spieler weg. Keine Lust mich da auf sinnlose Diskussionen ein zu lasen, habe ich mir gedacht. Pfiff, Schuss, Pfosten, Abstoß. Und auf einmal war die Welt wieder in Ordnung. Etwas später dann ein Allerwelts Foul nahe des Strafraums aber eigentlich in einer Position, von der aus man eine Flanke anbringen würde, statt aufs Tor zu schießen. Gast entschied sich jedoch anders und brachte den Ball, der gefühlt immer noch unterwegs ist aufs Tor und traf zum 2:3. Schöner Sonntagsschuß in den Winkel.Heim schien jedoch wenig beeindruckt und stürmte weiter auf das Gästetor.


    Ein Konter nach vergebener Großchance leitete dann in der 74. Minute den Spielabbruch ein. Gast kann den Ball mit zwei weiten Bällen klären. Der Ball landet auf der linken Seite beim Angreifer, welcher sich erstmal parallel zur Linie bewegte, ein Verteidiger kam von innen herangeeilt um einen Zweikampf zu führen. In diesem Laufduell kam der Verteidiger zu Fall und der Angreifer zog schlussendlich aufs Tor und schob den Ball rechts am TW zum 2:4 vorbei ins Tor. Jetzt gings richtig los. Gleich vier Spieler, der angeblich gefoulte, der TW, der Spielführer und ein weiterer Spieler liefen auf mich zu und protestierten lautstark. Sie wollen einen Schubser des Angreifers gesehen haben, welcher den Verteidiger zu Fall gebracht habe. (Während dem Angriff bewegte ich mich im 3/4 Spring rechts hinter dem Geschehen, gut 15m entfernt. ich hatte freie Sicht und habe keinen Schubser sehen können. Fairerweise muss ich sagen, dass ich einen Schubser mit dem linken Arm aber auch nicht hätte wahrnehmen können, weil beide sehr nah beieinander waren. Für mich sah es eher so aus, dass der Spieler stolperte und deshalb zu Fall kam. Ein Fouls habe ich jedoch nicht wahrgenommen und deshalb auch nicht gepfiffen.) Der TW war zu ernst bei mir und reklamierte lautstark. Er schilderte mir seine Sicht des Zweikampfs und zeigte mir anhand eines leichten Schubser an meiner rechten Schulter, was für eine Art foul es gewesen sein soll. Das alleine hätte schon für einen FaD und Abbruch gereicht aber ich habe ihm tatsächlich zu Gute gehalten, dass er mir "nur zeigen wollte" was es für ein Foul gewesen sein soll. Ich sagte ihm: "Fassen Sie mich nicht an und gehen sie jetzt besser weg" Im weggehen brüllte er dann noch " Es ist schon sehr auffällig, wie du alles gegen uns pfeifst. Du bist doch lächerlich" - jetzt wurde es auch mir zu bunt und ich schickte ihn mit glatt Rot vom Feld. Ich lasse mir viel gefallen aber der Vorwurf von Betrug/Spielmanipulation meinerseits war dann zu viel des Guten. Das wieder rum rief den anderen herangeeilten Spieler auf den Plan, welcher mir ebenfalls noch ein Paar Nettigkeiten mit auf den Weg gab. Auch hier sind Begriffe gefallen, die sicherlich für einen weiteren FaD gereicht hätten aber hier hielt ich es sinnvoller ihn indirekt mit der Frage " Wollen sie auch noch Rot?" aufzufordern, jetzt besser ruhig zu sein. Und das hatte doch tatsächlich funktioniert. Wow, dachte ich mir. jetzt schreibste kurz alles auf und dann kann es hier doch tatsächlich weitergehen. Denkste!!!


    Jetzt war auch der Spielführer an der Reihe. Ihm dauerte das alles offensichtlich zu lange und so baute er sich dann bedrohlich nah vor mir auf und fauchte mir mit wütendem Tunnelblick "Pfeif das Scheiß Spiel endlich wieder an, sonst klären wir das nach dem Spiel" entgegen. Ich habe mich dann zwei Schritte zurückbewegt (lieber hätte ich ihn einfach weggeschubst aber ich habe leider nicht die Präsenz eines Wolfgang Stark :( ) ein klares Handzeichen gemacht und das Spiel per Pfiff abgebrochen, da ich mich in diesem Moment so bedroht fühlte, dass ich nicht mehr in der Lage war, das Spiel weiter zu führen. Danach musste ich mir noch einige Beleidigungen seitens des Trainers und des Zuschauers aus der HZP anhören, wurde dann aber unter Aufsicht des Ordnungsdienstes in meine Kabine begleitet.


    Drei Sonderberichte und einige Telefonate mit Ansetzer, Staffelleiter und SR-Ausschussvorsitzenden später kam ich dann auch mal zur Ruhe. Der Verein ist schon so häufig negativ aufgefallen, dass ich mich frage, wieso die überhaupt noch am Spielbetrieb teilnehmen dürfen ... aber naja.

  • Einzig richtige und konsequente Entscheidung. Hauptsache, dir ist körperlich nichts passiert.
    Ich fange schon mal an zu zählen, wie viele hier wieder knallharte Strafen fordern.

  • Ich fange schon mal an zu zählen, wie viele hier wieder knallharte Strafen fordern.


    Wir sehen ja inzwischen, dass auch knallharte Strafen nicht viel Besserung bringen. Daher plädiere ich dafür, dass für bestimmte (Gewalt-)Delikte eine Punktetabelle erarbeitet wird die zu Zwangsabstieg und letztendlich sogar zur zwangsweisen Entfernung aus dem Ligaspielbetrieb führen könnte. Wenn Vereine, bzw. deren Aktive, sich nicht an die Regeln halten wollen, dann müssen sie halt fühlbare Konsequenzen hinnehmen und da sollte dann auch von einem Ausschluss (auf Dauer oder zeitlich begrenzt) nicht zurückgeschreckt werden. In dieser Richtung passiert aber eigentlich eher nur sehr selten etwas; vermutlich wollen die Verbände keine Mitglieder verlieren.

  • Zwangsabstieg


    Nette Idee, aber nutzlos und tendenziell sogar eher kontraproduktiv, müssen das dann doch andere SR-Kollegen richten.

    zur zwangsweisen Entfernung aus dem Ligaspielbetrieb


    Ebenso nette Idee, aber leider ebenso nutzlos, da die Spieler dann eben andernorts kicken. Außerdem besteht immer die Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten, bestraft man dadurch doch alle Spieler.

    Aktive, sich nicht an die Regeln halten wollen


    Das ist der Punkt. Die meisten Satzungen sehen eben nur, teilweise eng begrenzte, Sperren vor. Um mit allgemeinem Recht vereinbar zu sein, ist das grundsätzlich sicher auch richtig, dennoch brauchen wir für "Spezialisten" die Möglichkeit, diese faktisch lebenslänglich (10 Jahre Sperre dürften da meist reichen) oder sogar wirklich lebenslänglich auszuschließen - und zwar nicht nur vom Spielbetrieb, sondern auch von aktiver Vereinstätigkeit, denn die Erfahrung lehrt, dass solche Leute als Trainer auch nicht besser sind. Zudem muss das bundesweit gelten, was nutzt es, wenn - und hier mache ich mal den lokalen Bezug, der aber Allgemeingültigkeit hat - einer in Wiesbaden und damit im Hessischen FV gesperrt wird, wenn er dann schnell über den Rhein in Mainz (Südwestdeutscher FV) munter weiter sein Unwesen treiben kann. Hier haben wir viel zu oft noch Rechtslücken und ebenso oft auch Hemmnisse, solche Strafen auch tatsächlich zu verhängen.


    Zum Fall:
    Nach der Beschreibung klingt das schlüssig, ob das Sportgericht das nachher auch so sehen wird, da bleiben bei mir gewisse Zweifel - und, sorry Kaef, über Strafen sollten wir uns für den konkreten Fall keine Gedanken machen.

  • Ich befürchte, dass das Spiel neu angesetzt wird. Grund: Abbruch zum falschen Zeitpunkt. Wenn dich jemand anfasst, kann der Abbruch berechtigt sein.


    Aber weil Dich ein Spieler bedroht, ist so kein Grund. Noch dazu wo Du schilderst, dass der Ordnungsdienst funktionierte. Hier hast Du nicht alle Mittel ausgeschöpft. (Sichtweise der bayerischen Sportgerichte)


    Auch sehe ich deine Toleranz gegenüber klaren Unsportlichkeiten als viel zu hoch an. Wer dich so angeht wie der 2. Spieler der fliegt. :rote_karte:

  • Ich halte den Abbruch für nicht gerechtfertigt, da aus meiner Sicht nicht alle Mittel zur Fortsetzung des Spiels ausgeschöpft wurden.

  • Der Abbruch war richtig. Wer dich so bedroht, veursacht halt den Abbruch. Ob das Kreissportgericht das letztendlich auch so sieht, ist natürlich spekulativ; ich habe aber den Eindruck, dass die Kreissportgerichte in Sachsen-Anhalt mittlerweile jede Art von Drohung gegen den SR als gerechtfertigten Grund für einen Spielabbruch werten, was ich sehr positiv finde. Ich vermute daher, das wird in Deinem Fall auch so sein.


    Hoffe, dass du persönlich zügig mit dem Spiel abschließen kannst und den Blick nach vorne richtest. Solche Erfahrungen haben immerhin das Potential, eine SR-Karriere zu beenden. Hoffe, dass das bei dir nicht der Fall ist!

  • Leider ist da was dran. Gerade was Gemeckere, protestieren und unterschwellige Bemerkungen betrifft, lasse ich mir leider zu viel Gefalle. Vllt liegt es daran, dass ich selbst sehr direkt bin (auf und neben dem Platz). Daran muss ich unbedingt arbeiten und das will ich auch tun.


    Eine Spielunterbrechung kam für mir nicht in Frage. Die Heimmannschaft ist schon so oft negativ aufgefallen, deren Verhalten bessert sich nicht nach 10 oder 20 Minuten Pause. Spätestens bei der nächsten strittigen Aktion wäre es von vorne los gegangen. Ich habe nach dem Spiel mit meinem Ansetzer, dem SR-Ausschuss Vorsitzendem und dem Staffelleiter telefoniert und alle waren der Meinung, dass der Abbruch so wie ich es geschildert habe, die richtige Entscheidung war. Ich habe auch keine Sekunde darüber nachgedacht ob ich vllt noch irgend ein Mittel hätte ausschöpfen können.

  • Ich halte den Abbruch für nicht gerechtfertigt, da aus meiner Sicht nicht alle Mittel zur Fortsetzung des Spiels ausgeschöpft wurden.

    Ich finde den Spielabbruch durchaus gerechtfertigt. Zwar wurden in der Tat nicht ALLE Mittel zur Fortsetzung des Spiels ausgeschöpft, aber in der Gesamtsituation sehe ich keine Pflicht dazu:


    Erstens: Ein Spieler wird vom vom Platz gestellt, weil er, nachdem er eine Entscheidung des Schiedsrichters nicht akzeptieren kann, die Autorität des Schiedsrichters untergräbt (lautstarke Unterstellung der Parteilichkeit).
    Zweitens: Es fielen DANACH(!) weitere Beleidigungen eines anderen Spielers, die aber mittels einer (möglicherweise nicht ganz regelkonformen) Deeskalationsstrtegie geklärt wurden. (kann man sogar als Mittel zur Fortsetzung des Spiels sehen).
    Drittens: Ein WEITERER(!) Spieler, der auch noch der SPIELFÜHRER ist, nimmt dies zum Anlaß, den Schiedsrichter zu BEDROHEN(!). Er sagt dem Schiedsrichter im übertragenen Sinne: "Pfeif sofort (und damit: hör auf zu schreiben) wieder an, ansonsten fährst Du heute mit dem Rettungswagen heim.". Spätestens hier muss Ende sein. Und zwar nichtmehr nur für den Spieler sondern für das gesamte Spiel. Die Autorität auf dem Platz ist endgültig hinüber und ohne Autorität kann man kein Spiel leiten.


    Im Übrigen zum zweiten: Als Deeskalation wäre es meiner Meinung nach besser zu fragen "Können Sie das nochmal wiederholen, ich habe Sie nicht richtig verstanden? Langsam zum mitschreiben, bitte." (anstatt "Wollen Sie auch rot?)

  • @Vendetta: Wenn man nicht jede Woche einen Abbruch fabriziert, weil jemand auf dem Platz gehustet hat, ist das gar nicht so entscheidend, was das Sportgericht sagt. Selbst wenn das Spiel neu angesetzt werden sollte, wird man dort kaum ausgerechnet dich als SR einsetzen. D.h. du bist diese Mannschaft erstmal los (und wenn dein Ansetzer für 5 Pfennig Verstand hat, für die nächsten Jahre auch).

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Ich denke:


    Keiner der hier im Forum aktiv ist produziert unmotiviert irgendwelche Spielabbrüche.

    • Wir alle wissen, wie sich die ein oder andere Situation auf dem Spielfeld darstellt,
    • wir wissen aber auch, das jeder, der hier irgendeinen Bericht liest sein eigenes Kopfkino hat.

    @ VeNdetta-
    Mach Dir keinen Kopp... Wenn Du der Meinung wars das Spiel ebzubrechen, dann ist das aus Deiner Sicht auch bestimmt gerechtfertigt gewesen.
    Sollte das Sportgericht das dann doch etwas anders sehen wird Dir keiner den Kopf abreissen.


    Sollte das Gericht zu einer anderen Beurteilung als Du kommen, wird ein guter Vorsitzender Dich auf vier Augen bei nem Kaffe anschliessend bei Seite nehmen und Dir seine persönlichen Gedanken dazu schildern.
    Das mit dem Spielabbruch ist wie mit dem ersten Feldverweis oder mit der Jungfräulichkeit. Wenn man es einmal getan hat, geht man beim zweiten Mal viel lockerer damit um und macht sich anschliessend weniger Gedanken.


    Verdammt, der Vergleich mit der Jungfräulichkeizthinkt hinkt jetzt ein wenig. Aber Du weist bestimmt was gemeint ist.

  • Ich halte den Spielabbruch des Kameraden für absolut vertretbar. Er fühlte sich bedroht und damit war für ihn "Schluss mit lustig". Und so ist seine Handlungsweise auch verständlich.
    Was das Sportgericht dazu sagt ist für den Schiedsrichter überhaupt nicht von Bedeutung. Gut möglich, dass die auf den Zopf mit dem "Ausschöpfen aller Möglichkeiten" zurückgreifen.
    Das ist auch immer relativ; denn wer weiß was passiert wäre wenn der Schiedsrichter nicht abgebrochen hätte.


    Spielabbruch durch den Schiedsrichter ist die eine Sache und Entscheidung durch die Sportrichter die andere. Auch wenn das Spiel neu angesetzt wird kann die Entscheidung des
    Schiedsrichters richtig gewesen sein. Er hat aus seiner Sicht entschieden und nur ER war der gegebenen Situation unterworfen.

  • Gut möglich, dass die auf den Zopf mit dem "Ausschöpfen aller Möglichkeiten" zurückgreifen.
    Das ist auch immer relativ; denn wer weiß was passiert wäre wenn der Schiedsrichter nicht abgebrochen hätte.

    Sehe ich ähnlich.


    Unseren Jungschiries bringe ich bei: "Greift Dich auf dem Feld einer an oder bedroht Dich ist das Spiel zu Ende."
    Danach Anruf bei mir, den Sonderbericht machen wir zusammen - und zum Sportgericht komme ich mit (so wie morgen abend, werd´Euch erzählen wie es ausgegangen ist)


    Da ist mir das ehrlich gesagt wurst ob der Kollege "Alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat".


    Vielleicht mag das Gericht recht haben und dies anders bewerten.
    Ich sehe das aber in erster Linie aus der Sicht der Zumutbarkeit für den SR in einer Situation in der unser Schiri ganz alleine eine Entscheidung treffen muss.
    Die Zumutbarkeit ist dann eine persönliche Entscheidung, die er nur für sich selbst treffen kann.

  • Ich halte den Abbruch für nicht gerechtfertigt, da aus meiner Sicht nicht alle Mittel zur Fortsetzung des Spiels ausgeschöpft wurden.

    Ging mir genauso, als ich den Text las, und wahrscheinlich wird es auch eien Wiederholung geben.


    Und trotzdem finde ich die Entscheidung des Kollegen ok - ich frage mich nämlich, ob es immer erst jemand "körperlichen Schaden" davontragen muss, bevor er ein Spiel vorzeitig beenden darf ??? Dann ist es nämlich definitiv zu spät ...

  • Ging mir genauso, als ich den Text las, und wahrscheinlich wird es auch eien Wiederholung geben.


    Und trotzdem finde ich die Entscheidung des Kollegen ok - ich frage mich nämlich, ob es immer erst jemand "körperlichen Schaden" davontragen muss, bevor er ein Spiel vorzeitig beenden darf ??? Dann ist es nämlich definitiv zu spät ...


    Nicht, dass ich falsch verstanden werde - ich kann die Gründe gut nachvollziehen und würde mich auch freuen, wenn das Sportgericht sagen würde: Alles richtig gemacht!
    Ich befürchte aber, dass es leider nicht so kommen wird.

  • Der Abbruch kann ich nachvollziehen, aber möglich sieht das Sportgericht anders, denn nicht alle Mittel ausgeschöpft sind.


    Ich hatte ein Spiel und hatte ein Spieler von Mannschaft A mit :gelbe_karte::rote_karte: (Team A führt mit 2-1) gezeigt. Ich bat ihm, den Spielfeld verlassen. Er tat und stand doch in der Nähe der Coaching-Zone. Er beleidigte mich und ich bat ihm erneut, den Spielfeld verlassen. Er tat es, aber er holte den Ersatzball und schoss direkt in meine Richtung. Ich kann sagen, mit viel Glück hat mir nicht erwischt.
    Ich warte nicht, bis ich körperlich angegriffen werde. Ich habe das Situation als Versuch der Angriff auf mich gewertet und habe das Spiel beendet. Das Sportgericht hat anders gesehen und hat das Spiel doch nur mit 2-1 beendet. Es gab Strafe für der Spieler. Die Neuansetzung gab in diesen Fall nicht.

    Ich habe keine Ablenkung durch die Geräuschkulisse.
    Ich bin komplett konzentriert auf das, was ich sehe


    Gehörloser Schiedsrichter -
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

  • Als Neuling versuche ich mir die von Dir geschilderte Situation bildlich vorzustellen und hätte aus dem Bauch heraus wahrscheinlich auch mit dem Abbruch des Spiels reagiert.
    Zwar war ich bis jetzt glücklicherweise weit entfernt von Ausschreitungen bzw. Szenen wie Du sie beschrieben hast, im Umkehrschluss stellt sich mir jedoch die Frage ob erst der Faustschlag ins Gesicht Grund genug für einen Abbruch ist.


    Ich hoffe nicht.

  • Meine Zweifel am Sportgericht hatte ich ja bereits geäußert - aber ich stimme mit mfs67227 vollkommen überein: Es gibt keinen Grund zu warten, bis man tatsächlich tätlich angegriffen wurde. Selbstverständlich darf man nicht gar zu zimperlich sein und ein Spiel voreilig abbrechen. Vielleicht hätte es im konkreten Fall auch ausgereicht, für die Äußerung eine weitere Rote Karte zu geben und zusätzlich den Ordnungsdienst anzuweisen, hier entsprechend aufmerksam zu sein. Ebenso vielleicht hätten nach der Roten Karte aber auch ein paar Zähne gefehlt ...


    Unabhängig davon: Ein SR, der sich nicht mehr sicher fühlt, wird auch nur noch schlecht pfeifen - dann ist eben Schluss und wenn jemand am grünen Tisch meint, der Schiedsrichter hätte doch das Risiko eingehen müssen, dass er hinterher dritte Zähne braucht, dann soll der doch die Neuansetzung pfeifen. Zum Glück war ich erst einmal in der Situation, da war ausgerechnet der Ordnungsdienst der Auslöser, der ungefragt und störend auf dem Platz stand - und damals meinte das Sportgericht auch, ich hätte nicht alle Mittel ausgeschöpft (ah ja, ich lasse erst, von wem eigentlich, den Ordnungsdienst von der Sportanlage weisen, einen neuen Ordnungsdienst benennen, um dann nach vielleicht 10 oder 15 Minuten das Spiel fortzusetzen); vielleicht ist das formal richtig, aber wenig praxisgerecht.

  • Meine Meinung: wenn mich ein Spieler auf dem Platz mit den Worten bedroht "wir klären das nach dem Spiel" (und vergisst dass er gemeint hat er gibt mir nachher im Vereinsheim ein Bier aus um mir seine Sicht der Dinge in einem Fachgespräch zu erläutern) hätte ich das Spiel sehr wahrscheinlich ebenfalls beendet. So weit muss sich ein Spieler/Kapitän im Griff haben. Sonst muss er es lernen.


    Und das mit dem "Spieler wegschubsen" solltest Du nicht in Erwägung ziehen, da wird ggf. ein "Eigentor" draus und Du bist der Dumme. Schubsen hat der Schiri nicht nötig, der hat andere Möglichkeiten.


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    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)

  • In diesem Zusammenhang habe ich an die Situation gedacht, die erst vor kurzem in den Medien präsent war, als ein SR-Kollege einen Spieler wegschupste. (Neu-Strelitz, glaub ich wars?) Letztlich habe ich mich für die andere Variante entscheiden und bin im Nachhinein auch froh darüber. Ein Schubser hätte ihm womöglich den letzten Rest der Hemmschwelle abgenommen und wer weiß, was dann passiert wäre. Auch zwei Tage nach dem Abbruch bin ich persönlich immer noch der Meinung, dass es richtig war und bereue es auch nicht. Sicherlich hab ich mich die letzten Tage auch gefragt, was ich hätte besser machen können oder gar müssen. Mein Ansetzer hat jedenfalls vollstes Vertrauen in mich als SR und hat mir für den Samstag gleich zwei Ansetzungen zukommen lassen. Ich habe erst überlegt ob ich eine Woche aussetze um einfach runter zu kommen aber ich glaube die beste Vorgehensweise ist einfach abhaken und im nächsten Spiel die Konzentration einfach höher halten.


    Fest vorgenommen habe ich mir jedenfalls für die kommenden Wochen, meine "englische Pfeifweise" abzustellen und kleinlicher zu pfeifen. Auch will ich versuchen mir weniger Gefallen zu lassen. Ein lockerer Spruch auf beiden Seiten ist ok, aber ich muss meine Grenzen wohl deutlich früher ziehen. Trotzdem danke ich Euch für den Zuspruch und die Bekundungen über meine Entscheidung.