Heute hätte ich zuerst D-Jugend und unmittelbar danach C-Jugend pfeifen sollen. Da das C-Jugendspiel bereits gestern abgesagt wurde, blieb also nur die D-Jugend übrig - und die haben eher selten einen älteren erfahrenen Schiedsrichter. Dennoch musste ich mehrfach während des Spiels an hier im Forum bereits geführte Diskussionen denken, dass die "Kleinen" doch immer so lieb seien ...
Bereits vor Anpfiff die erste regeltechnisch unbedeutende, aber dennoch amüsante Szene: Der Kapitän von Heim ist locker gleich zwei Köpfe kleiner als der von Gast (zudem Torwart). In der ersten Halbzeit ging alles so seinen Gang, nichts wirkliches von Bedeutung, Ruhe auch draußen, aber eben auch keine Tore.
Nach dem Seitenwechsel ging es los: Heim Nummer 2 hält in der zweiten Minute seinen Gegner gleich über etliche Meter und kann von Glück sagen, dass der sich gerade noch vor dem Strafraum von ihm losreißen kann. Aber meine innere Stimme sagt mir, jetzt wird das nichts mehr, ergo Pfiff und quasi im selben Moment versemmelt der auch den Ball ins Aus - also habe ich alles richtig gemacht. Dennoch kommt der Zweier um die Verwarnung nicht umhin, viel gelernt hat er offenbar nicht daraus, es werden noch mehrere Szenen folgen, in denen er knapp am FaZ vorbeischrammt. Eine Minute erzielt Gast das erste Tor der Begegnung. Aber nur 3 Minuten später drückt ein Verteidiger von Gast seinen Gegner im Strafraum mit vor dem Körper angelegten Arm, der sich dabei immer weiter vom Körper weg bewegt und ohnehin auf Schulterhöhe platziert ist, von sich weg. Mir bleibt also nur der Zeiger auf die Strafstoßmarke - Ausgleich.
In der zwölften Minute geht Gast dann erneut in Führung. Sechs Minuten später ein Freistoß für Heim, ein Abwehrspieler von Gast kommt dem Ball immer näher - ich rufe gleich zwei Mal "Stopp", was den aber gar nicht interessiert, er bleibt erst direkt vor dem Ball stehen. Darauf frage ich ihn, was er denn meine, warum ich wohl "Stopp" gesagt haben könnte - und schicke ihn mit der Verwarnung weg, wir beide schmunzeln, er hatte das im Tran wohl gar nicht wirklich mitbekommen. Im selben Zeitabstand hält ein Spieler von Heim seinen Gegner am Trikot und als definitiv kein Vorteil mehr möglich ist, folgt der Pfiff - worauf sich mein Halter, bei dem ich noch im Denkprozess bin, ob er eine Verwarnung mitbekommt, herummeckert und mir die Entscheidung abnimmt. Da ich ein Schwein sein kann - immerhin ist das direkt vor den Zuschauern und Trainern Heim passiert - bekommt er von mir die netten Worte mit auf den Weg, dass, wer seinen Gegner so hält und dann noch über den Pfiff meckert, wohl unbedingt eine Verwarnung haben wolle, die er hiermit bekäme; Eltern und Trainer hatte ich definitiv auf meiner Seite ...
Erneut im fast gleichen Zeitabstand fängt ein Verteidiger an zu halten, während der Angreifer sich in den Strafraum bewegt. Auch hier kommt meine fiese Seite zum Zuge, ich warte, bis beide im Strafraum sind und auch kein Vorteil mehr möglich ist, um erneut auf den Punkt zu zeigen, was Gast den Ausbau der Führung einbringt. Die bleiben aber im Zeittakt, denn in der Schlussminute erzielt Heim aus einem Angriff, der sehr schnell vorgetragen wird (ich war schon in der Überlegung, den gar nicht mehr zuzulassen), noch den Anschlusstreffer. Ich habe das Spiel daraufhin erst gar nicht mehr angepfiffen sondern gleich beendet.
Und was war das Beste am Tag: Beide Seiten - Trainer und Eltern - waren ausgesprochen zufrieden mit mir; geht doch ...