Die "lieben" Kleinen - neuer Aufguss

  • Heute hätte ich zuerst D-Jugend und unmittelbar danach C-Jugend pfeifen sollen. Da das C-Jugendspiel bereits gestern abgesagt wurde, blieb also nur die D-Jugend übrig - und die haben eher selten einen älteren erfahrenen Schiedsrichter. Dennoch musste ich mehrfach während des Spiels an hier im Forum bereits geführte Diskussionen denken, dass die "Kleinen" doch immer so lieb seien ...


    Bereits vor Anpfiff die erste regeltechnisch unbedeutende, aber dennoch amüsante Szene: Der Kapitän von Heim ist locker gleich zwei Köpfe kleiner als der von Gast (zudem Torwart). In der ersten Halbzeit ging alles so seinen Gang, nichts wirkliches von Bedeutung, Ruhe auch draußen, aber eben auch keine Tore.


    Nach dem Seitenwechsel ging es los: Heim Nummer 2 hält in der zweiten Minute seinen Gegner gleich über etliche Meter und kann von Glück sagen, dass der sich gerade noch vor dem Strafraum von ihm losreißen kann. Aber meine innere Stimme sagt mir, jetzt wird das nichts mehr, ergo Pfiff und quasi im selben Moment versemmelt der auch den Ball ins Aus - also habe ich alles richtig gemacht. Dennoch kommt der Zweier um die Verwarnung nicht umhin, viel gelernt hat er offenbar nicht daraus, es werden noch mehrere Szenen folgen, in denen er knapp am FaZ vorbeischrammt. Eine Minute erzielt Gast das erste Tor der Begegnung. Aber nur 3 Minuten später drückt ein Verteidiger von Gast seinen Gegner im Strafraum mit vor dem Körper angelegten Arm, der sich dabei immer weiter vom Körper weg bewegt und ohnehin auf Schulterhöhe platziert ist, von sich weg. Mir bleibt also nur der Zeiger auf die Strafstoßmarke - Ausgleich.


    In der zwölften Minute geht Gast dann erneut in Führung. Sechs Minuten später ein Freistoß für Heim, ein Abwehrspieler von Gast kommt dem Ball immer näher - ich rufe gleich zwei Mal "Stopp", was den aber gar nicht interessiert, er bleibt erst direkt vor dem Ball stehen. Darauf frage ich ihn, was er denn meine, warum ich wohl "Stopp" gesagt haben könnte - und schicke ihn mit der Verwarnung weg, wir beide schmunzeln, er hatte das im Tran wohl gar nicht wirklich mitbekommen. Im selben Zeitabstand hält ein Spieler von Heim seinen Gegner am Trikot und als definitiv kein Vorteil mehr möglich ist, folgt der Pfiff - worauf sich mein Halter, bei dem ich noch im Denkprozess bin, ob er eine Verwarnung mitbekommt, herummeckert und mir die Entscheidung abnimmt. Da ich ein Schwein sein kann - immerhin ist das direkt vor den Zuschauern und Trainern Heim passiert - bekommt er von mir die netten Worte mit auf den Weg, dass, wer seinen Gegner so hält und dann noch über den Pfiff meckert, wohl unbedingt eine Verwarnung haben wolle, die er hiermit bekäme; Eltern und Trainer hatte ich definitiv auf meiner Seite ...


    Erneut im fast gleichen Zeitabstand fängt ein Verteidiger an zu halten, während der Angreifer sich in den Strafraum bewegt. Auch hier kommt meine fiese Seite zum Zuge, ich warte, bis beide im Strafraum sind und auch kein Vorteil mehr möglich ist, um erneut auf den Punkt zu zeigen, was Gast den Ausbau der Führung einbringt. Die bleiben aber im Zeittakt, denn in der Schlussminute erzielt Heim aus einem Angriff, der sehr schnell vorgetragen wird (ich war schon in der Überlegung, den gar nicht mehr zuzulassen), noch den Anschlusstreffer. Ich habe das Spiel daraufhin erst gar nicht mehr angepfiffen sondern gleich beendet.


    Und was war das Beste am Tag: Beide Seiten - Trainer und Eltern - waren ausgesprochen zufrieden mit mir; geht doch ...

  • Warum bloß heißt es "Wer Kollegen hat, braucht keine Feinde."? Diese Antwort ist ein Musterbeispiel.


    Ich freue mich über jedes Spiel, welches gut über die Bühne ging - gleich welche Alters- und Leistungsklasse. Ebenso nehme ich jedes Spiel ernst und mache anschließend eine selbstkritische Rückbetrachtung - auch wenn es "nur" D-Jugend ist. Sarkastische und ironische Kommentare dazu abzugeben ... dazu soll sich jeder User seine Meinung bilden. Nebenbei: Gerade in den unteren Jugenden, wo die Eltern noch weitaus häufiger mit am Rand stehen, sind Spielleitungen wegen der Unruhe, die gerne von außen ins Spiel getragen wird, oft schwieriger als viele Spiele in der Betonliga, die auch keine höhere Zuschauerzahl aufweisen.


    Und noch einen Gedanken muss ich los werden: Glaubt Ihr ernsthaft, dass sich hier noch ein junger Kamerad, der altersbedingt nur junge Jugenden pfeifen darf, noch traut, hier irgendetwas zu schreiben oder zu fragen, wenn er mit solchen Kommentaren rechnen muss? Dann können wir das Forum besser gleich schließen. Ich für meinen Teil stehe über solchen "Kommentaren" und denke mir meinen Teil, zumal ich durchaus auch ein Bild von den Leuten habe, die sich hier so äußern bzw. ihre übereinstimmende Meinung durch ein "bedanken" zum Ausdruck bringen.

  • Was ich mich immer frage.
    Du hast in jedem deiner hier geposteten Spielberichte immer eine Gelbe Karte, weil sich ein Spieler vor der Freistoßausführung vor den Ball stellt.
    Verhindern diese Spieler immer tatsächlich die schnelle Ausführung oder bestrafst du "das sich einfach nur vor den Ball stellen"?

  • Im Regelfall verhindern Sie bewusst und gewollt die schnelle Ausführung, regeltechnisch ist das letztlich aber unbedeutend, schreibt doch die DFB-Anweisung Nummer 2 zur Regel 13 eindeutig etwas vor: "Spieler, die sich bei der Ausführung eines Freistoßes nicht auf die vorgeschriebene Entfernung zurückziehen, müssen verwarnt werden.", so dass alleine schon die Annäherung zwingend zu einer Verwarnung führt (für die relativ wenigen Ausnahmefälle und wobei man das sicher auch mit Augenmaß nutzen kann und sollte).

  • versuchst Du es vorher auch nochmal mit ner Ermahnung? Oder kommt bei Dir sofort die Verwarnung?

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt.

  • Meist kommt schon eine eindeutige Aufforderung - nur gibt es einfach wahnsinnig viele Spieler, die meinen, es sei ihr Recht, den Ball zu blockieren, wenn ich den nicht freigebe ...

  • Ich finde, Manfred, du klammerst dich hier viel zu sehr an den genauen Wortlaut des Regelwerkes.
    Solche Situationen sind doch wunderbar geeignet, den Spielern durch das herausstellen seiner Persönlichkeit (kurze und energische Ermahnung das zu unterlassen, sonst ...) zu zeigen, wer der Chef auf dem Platz ist, anstatt immer gleich die Gelbe Karte zu ziehen. Ich glaube damit erlangt man mehr Akzeptanz und auch Ruhe, als durch das stumpfe Zeigen von Karten. Ausserdem vermeidet man oft überflüssige Hinausstellungen, wodurch man oft auch sehr viel Unruhe ins Spiel bekommt.
    Und sorry das ich das so sagen muss: Aus meiner Sicht hast du dahingehend nichts dazugelernt.

  • Es ist natürlich schon "ein Tanz mit dem Feuer", wenn ich Spieler für das "Vor den ball stellen" ermahne. Ist die Ermahnung erfolgreich, und es stellt sich kein weiterer Spieler vor den Ball, habe ich deutlich an Autorität gewonnen und werde wohl auch in anderen Situationen auf dem Platz mit mehr Respekt begegnet. Doch sollten die Spieler es nicht merken und sich nicht "bessern", beginnt in meinen Augen die Schwierigkeit, welchen Spieler ich mir jetzt schnappe, um ihn zu verwarnen. Gefahr ist hier natürlich, dass die fehlende Gleichbehandlung von Spielern durch Offizielle und Mitspieler (zurecht) kritisiert werden kann. sollte ich Spieler A ermahnen und Spieler B verwarnen. Das sind zumindest meine Erfahrungen.
    Von daher ist es wichtig, wo findet das "Vor den ball stellen statt", ist es wirklich ein "Vor den ball stellen" oder doch "nur" ein "Vor dem ball stehen", möchte die angreifende Mannschaft den Freistoß wirklich schnell ausführen, und ist der sich vor den ball stellende Spieler schonmal auffällig geworden? Ich denk persönlich, wenn man diesen Mittelweg geht, hat man in vielen Situationen den wenigsten Ärger, ohne das Regelwerk zu brechen. So habe ich es jedenfalls erlebt.

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt.

  • Jetzt möchte ich mich auch mal einklicken.
    a: Wir leiten unsere Spiele noch vorgegebenen Regeln.
    b: Manchmal besteht die Möglichkeit, die Regel etwas zu dehnen, d.h. ich sage dem Spieler unmissverständlich: gehn sie weg, sonst gibts gelb!
    c: Wenn der Spieler dann meint, das sei ein Scherz bekommt er halt gelb bzw. gelb/rot.
    d: Auch ich bin über Jahrzehnte mit dieser Einstellung meist gut gefahren und warum soll man so eine Einstellung ändern, wenn sie gut funktioniert?

    Alle sagten das geht nicht.




    Und dann kam einer und hat es gemacht.

  • Um mich nicht falsch zu verstehen.
    Natürlich gehören Spieler bestraft, die da absolut nicht lernfähig sind oder auch tatsächlich die schnelle Ausführung verhindern.
    Bloß, ich weiß nicht ob's nur mir so geht, bei Manfred's Spielberichten habe ich immer den Eindruck, das er sofort den gelben Karton zieht, ohne vorher präventiv eingewirkt zu haben.

  • Also ich hab pro Spiel meistens einen Spieler der wegen Ballsperren/ zu früh rauslaufen/ aktive Bewegung bei zu geringen Abstand mit Berührung :gelbe_karte: sieht. Das liegt bei mir daran, dass der Gefoulte nicht noch mehr benachteiligt werden sollte indem sich die Verteidigung stellen kann. Zunächst einmal versuche ich es aber mit klaren Ansagen und Ermahnungen.
    Leider merke auch ich an den Reaktionen der Spieler, dass es wohl bei den meisten Kollegen zu sehr toleriert wird.

  • Man muss auch beachten, dass das viel mit der jeweiligen Region zu tun hat. Die Situation kann schon in zwei benachbarten Kreisen unterschiedlich sein, wenn in einem der Lehrwart das richtige Verhalten bei Spielfortsetzungen immer wieder thematisiert, während der Lehrwart des anderen Kreises dem Thema keine Beachtung schenkt. Aber auch die Spieler lernen irgendwann dazu, wenn sie regelmäßig fürs Davorstellen die gelbe Karte bekommen.


    Wenn also ein Schiedsrichter viele solche gelber Karten zeigt und ein anderer kaum, sagt das erstmal nichts darüber aus, welcher Schiedsrichter jetzt besser handelt.


    Die Gesamtsituation zu beachten, ist dabei übrigens m.M.n. relativ wichtig. Wenn sich jemand vor den Ball stellt, der Schütze aber meiner Auffassung nach sowieso nicht schnell ausgeführt hätte, reicht eine klare Ansage. Wenn das Davorstellen aber die schnelle Ausführung verhindert und die Abwehrreihe womöglich noch nicht richtig sortiert ist, die schnelle Ausführung also zu einer guten Angriffssituation geführt hätte, ist die gelbe Karte absolut zwingend! Wird meiner Meinung nach in solchen unsportlichen Situationen tendentiell tatsächlich eher zu wenig als zu viel gezeigt.

  • Wenn sich jemand vor den Ball stellt, der Schütze aber meiner Auffassung nach sowieso nicht schnell ausgeführt hätte, reicht eine klare Ansage. Wenn das Davorstellen aber die schnelle Ausführung verhindert und die Abwehrreihe womöglich noch nicht richtig sortiert ist, die schnelle Ausführung also zu einer guten Angriffssituation geführt hätte, ist die gelbe Karte absolut zwingend!


    So sieht es meiner Meinung nach aus. In der D-Jugend kann ich mir eine gewollte schnelle Spielfortsetzung eher nicht vorstellen, also wird durch das "vor den Ball" stellen auch keine Angriffssituation unterbunden.


    Ansonsten finde ich die Spielberichte von Manfred äußerst amüsant und lebendig erzählt, spiegeln aber oftmals nicht die aktuelle Lehrmeinung sondern erzählen das Leben eines "Wald- und Wiesen-SR" in der täglichen Praxis und deren Umsetzung.


    Wenn ein 14-jähriger SR sich durch ein D-Juniorenspiel "kämpft" dann kann ich das noch verstehen, aber ein erwachsener bzw. erfahrener SR sollte ein solches Spiel auch ohne nennenswerte Aktionen über die Bühne bringen.


    Das Amt des Schiedsrichters beinhaltet heute mehr als nur die 90 Minuten auf dem Rasen. Der Schiedsrichter muss ein Spiel lesen können.Das sage nicht ich, dass steht im DFB_Lehrbrief Nr. 40 und soll uns sagen, dass wir nicht immer mit der Dampfhammermethode unverzüglich und in jedem Spiel analog zum letzten Spiel eine persönliche Strafe bringen müssen sondern auch einmal unseren Ermessenspielraum ausschöpfen und die persönlichen Strafen dem Spielcharakter anpassen sollten.


  • "Wald- und Wiesen-SR"


    Vielen Dank für das nette Kompliment - aber ich merke durchaus an der Rückmeldung der Spieler und Trainer (sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Jugendlichen), dass meine Leistung so schlecht gar nicht sein kann.

    spiegeln aber oftmals nicht die aktuelle Lehrmeinung


    Das wiederum ist ein harter Vorwurf - Belege bitte.

    ein erwachsener bzw. erfahrener SR sollte ein solches Spiel auch ohne nennenswerte Aktionen über die Bühne bringen


    Und was waren hier nennenswerte Aktionen? Solche Sätze sind gut geeignet zu diskreditieren, daher auch hier bitte belegen.

    Der Schiedsrichter muss ein Spiel lesen können.


    Geh mal davon aus, dass ich das durchaus kann. Dennoch gibt es immer wieder mal Spiele, in denen wie aus dem Nichts etwas entsteht, was das ganze Spiel "versaut". Es ist die Kunst zu erkennen, wer mit dem Vorteil umgehen kann, manchmal auch eine Frage der Kommunikation. Wichtig ist auch immer zu merken, wo der Freistoß (oder die persönliche Strafe) auch der Genugtuung des Gefoulten dient und abzuwägen, ob der Vorteil groß genug ist oder ein Eingriff in Form des Pfiffs nicht die bessere Variante ist. Und so weiter ...

    auch einmal unseren Ermessenspielraum ausschöpfen und die persönlichen Strafen dem Spielcharakter anpassen sollten


    Sei versichert, das mache ich definitiv so - manchmal ist es sogar wichtiger, wie schnell und wie bestimmt die Karte kommt als der Umstand, dass sie kommt. Und in manchen Grenzsituationen kann man viel mehr erreichen, wenn man einen Spieler leise anspricht, gelegentlich ist es aber auch besser, in der Lautstärke "hört der halbe Platz" zu kommunizieren.


    Aus den Spielberichten, die immer nur auf besonders prägnante einzelne Szenen eingehen, auf den gesamten Pfeifstil schließen zu wollen - gewagt ...

  • Zitat

    Zitat von »machee«



    "Wald- und Wiesen-SR"

    Vielen Dank für das nette Kompliment - aber ich merke durchaus an der Rückmeldung der Spieler und Trainer (sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Jugendlichen), dass meine Leistung so schlecht gar nicht sein kann.




    Als Wald- und Wiesen-SR meine ich umgangssprachlich einen Amateur-SR in den unteren Klassen.


    Hat also nichts mit der Leistung zu tun.





    Zitat

    Zitat von »machee«



    spiegeln aber oftmals nicht die aktuelle Lehrmeinung

    Das wiederum ist ein harter Vorwurf - Belege bitte.




    Darum schreibe ich ja Lehrmeinung und nicht Regelkonform. Wer wie du überdurchschnittlich viele Karten benötigt und wie oftmals beschrieben die Karten verteilt, kann der aktuellen Lehrmeinung nicht entsprechen. Hier geht die Tendenz eher zu weniger Karten und ausschöpfen des Ermessungsspielraumes. Wenn ich deine Texte lese, hört sich das nun mal anders an.





    Zitat

    Zitat von »machee«



    ein erwachsener bzw. erfahrener SR sollte ein solches Spiel auch ohne nennenswerte Aktionen über die Bühne bringen

    Und was waren hier nennenswerte Aktionen? Solche Sätze sind gut geeignet zu diskreditieren, daher auch hier bitte belegen.




    Nun ja, es ist ja schon bemerkenswert, dass du über ein D-Juniorenspiel überhaupt etwas schreibst. Alleine die Anzahl der Karten nenne ich schon bemerkenswert.





    Zitat

    Zitat von »machee«



    Der Schiedsrichter muss ein Spiel lesen können.

    Geh mal davon aus, dass ich das durchaus kann. Dennoch gibt es immer wieder mal Spiele, in denen wie aus dem Nichts etwas entsteht, was das ganze Spiel "versaut".




    Also du machst mir eher den Eindruck, dass du bei allen Spielen die knallharte Linie = 1:1 Regelbuch durchziehst ohne Berücksichtigung des Spielcharakters (z.B. wer sich vor den Ball stellt, der sieht gelb) und deshalb auf viele Karten kommst. Ein Spiel lesen bedeutet auch, das Risiko einer Eskalation möglichst minimieren.






    Zitat

    Zitat von »machee«



    auch einmal unseren Ermessenspielraum ausschöpfen und die persönlichen Strafen dem Spielcharakter anpassen sollten

    Sei versichert, das mache ich definitiv so




    Nö, so kommt das hier nicht rüber. Hier lese ich nur einen 1:1 Regelübersetzer der immer nach Antworten sucht, warum andere SR einen anderen Stil pfeifen oder es trotz 1:1 Regelumsetzung trotzdem kein Lob gibt.

  • Als Wald- und Wiesen-SR meine ich umgangssprachlich einen Amateur-SR in den unteren Klassen. Hat also nichts mit der Leistung zu tun.


    Kommt aber deutlich anders rüber - nur zur Erinnerung: Ungefähr 95 % aller Schiedsrichter pfeifen in den untersten Klassen (und dort meist alleine), die bilden die Basis. Und auch interessant: Die meisten der höherklassigen SR sind sich dieses Umstandes bewusst und haben keinerlei Standesdünkel - Ausnahmen bestätigen die Regel -; warum bloß habe ich gelegentlich das Gefühl, dass hier im Forum ein paar Ausnahmen sich wortgewaltig ausdrücken?

    Wer wie du überdurchschnittlich viele Karten benötigt und wie oftmals beschrieben die Karten verteilt, kann der aktuellen Lehrmeinung nicht entsprechen. Hier geht die Tendenz eher zu weniger Karten und ausschöpfen des Ermessungsspielraumes.


    Man könnte es auch schlicht mit "konsequent bei Pflichtverwarnungen" umschreiben. Und nur mal zur Anregung: Vielleicht schreibe ich ja auch nur über die Spiele, in denen es eben ein paar mehr Karten gab, weil der Rest ein netter Bericht wäre, aber keinen Stoff für Diskussionen enthält?

    bemerkenswert, dass du über ein D-Juniorenspiel überhaupt etwas schreibst


    Genau: Erstens, weil ich es erschütternd fand, hier Verwarnungen aussprechen zu müssen - eben nicht mit die "lieben" Kleinen. Zweitens weil ich den Fall mit dem Mauerabstand ulkig fand, da ich im Nachgang mitbekam, dass der irgendwie völlig neben sich war - tat mir zwar leid, war in dem Moment aber nicht mehr zu ändern. Und drittens weil ich entsetzt war, dass und vor allem wie sich ein Spieler - der, der erst deutlich das Trikot hält - über die zweifelsfrei unumgängliche Verwarnung beschwert. Wer den Tonfall gehört und den Blick gesehen hat - bundesligareif, wohlgemerkt in der D-Jugend. Der dritte Aspekt war der eigentliche Auslöser, weil bedrückend.

    deshalb auf viele Karten kommst


    Komme ich das? Nun, in meinem gestrigen Herrenspiel kam ich auf sechs Verwarnungen - klingt vielleicht viel, aber alle waren zwingend und interessanterweise auch vollkommen unstrittig, von einem Fall abgesehen sagten die Spieler selbst schon im Vorfeld, dass die Karte in Ordnung sei. Die kuriosestes Verwarnung war aber bei einem Einwurf, den ein Spieler "mit Gewalt" blockieren wollte und von diesem Vorhaben weder durch meinen Anruf noch durch seine Mitspieler abzubringen war, im Gegenteil, er springt noch hin und her - nach der Karte sagten seine Spieler zu ihm, dass die Karte völlig überflüssig gewesen sei (aber in dem Sinn, dass er eine Dummheit gemacht habe). Auch hier hätte ich übrigens eine Karte für den Mauerabstand geben können: Klassische Situation, wie immer die Frage nach der Ballfreigabe und so weiter, trotz eindeutiger Ansage kommt der Spieler näher und will sich vor dem Ball platzieren, als ich ihm mitteile, wenn er denn unbedingt wolle und zur Brusttasche greife - so schnell, wie der sich entfernt hat, habe ich das noch nicht erlebt und auch danach war das ganze Spiel diesbezüglich problemlos. Ach ja: Die Karte habe ich dann stecken lassen, obwohl ich sie rein regeltechnisch ohne jeden Zweifel hätte zeigen können.

    trotz 1:1 Regelumsetzung trotzdem kein Lob gibt


    Lob suche ich hier bestimmt nicht, sondern - durchaus auch kritische, aber konstruktiv kritische - Anregungen.


    Ein Punkt gibt mir aber zu denken: Irgendetwas läuft doch schief, wenn die Lehrmeinung von der Regelumsetzung abweicht.

  • Ein Punkt gibt mir aber zu denken: Irgendetwas läuft doch schief, wenn die Lehrmeinung von der Regelumsetzung abweicht.


    Eine Lehrmeinung, auf Pflichtverwarnungen zu verzichten, gibt es nicht. Lass Dich von anderslautendem Gerede nicht irritieren. Die Lehrmeinung geht dahin, dass durch proaktives Agieren und Lesen eines Spiels mit allen Facetten (Herausgreifen der Schlüsselspieler, angemessene Ansprachen zur richtigen Zeit, taktische Verwarnungen in den richtigen Situationen) die Anzahl der Karten und auch die Hitzigkeit eines Spiels gesenkt werden kann und soll. Mit der Aussprache von Pflichtverwarnungen hat das aber nichts zu tun; selbstverständlich müssen die kommen.

  • Jetzt gebe ich hier doch einfach mal unabhängig von allem vorher gesagten und für mich zusammenfassend, meinen Senf dazu:
    Wieso finden wir nicht einen Mittelweg?
    Denn müssen wir uns an die Regeln klammern? Nein. Es gibt keine Pflichtverwarnungen, denn jeder SR hat einen Ermessensspielraum.
    Stellen wir uns denn nicht in den Mittelpunkt wenn wir beim ersten Mal wenn einer vorm Ball steht hin sprinten und den Karton zücken? Wollen und sollen wir das? Nein. Wir leiten das Spiel unauffällig aus dem Hintergrund.
    Zeigen wir doch mal Persönlichkeit! Das ist das Zauberwort. Freilich nicht zu viel, also nicht nur ewig sagen die Spieler solln weg gehen.
    Aber man kann doch beim ersten vor dem Ball stellen dem Spieler sagen: "Hey, du bist doch so ein guter Spieler du hast das gar nicht nötig." Dann zwinkerst du ihm zu und der macht das das ganze Spiel nicht mehr.
    Wenns noch ein zwei mal ist unterbrichst du das Spiel und setzt eine gscheide Ermahnung mit guter Außenwirkung.
    Und wenn das alles nicht hilft okay dann kommt irgendwann die Verwarnung.
    Aber das sollte dann bitte nicht die Einstiegsverwanung sein.
    Was ich damit sagen will: Man muss überlegen wo mann die Verwarnung BRAUCHT, oder wo man sie durch Persönlichkeit und Präsenz sparen kann, um sie später wirkunngs- und sinnvoll einzusetzen.

  • Grundsätzlich bin ich deiner Meinung Schiri Tölz, aber du sagst es gäbe keine Pflichtverwarnungen?
    -Unerlaubtes Betreten des Feldes *hust*, Trikot ausziehen *hust*, Handspiel zur Torschussverhinderung *hust* etc. :flieh:
    Da hilft dir auch der von dir angesprochene "Ermessensspielraum" nicht mehr viel.

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt.