So oder so ähnlich müsste ich mein heutiges Spiel beschreiben. Die Rahmenbedingungen waren alles andere als optimal: Ein Hartplatz, knochentrocken und entsprechend staubig, so dass der Ball manchmal nur noch zu erahnen ist, ebenso verschwinden manche Aktionen doch eher im staubigen Nebel - für eine Spielabsage war mir das aber zu wenig.
Das Spiel wogt von Beginn an hin und her, wobei es schwierig zu erkennen ist, ob ein Ball nun die Tor(aus)linie überschritten hat oder nicht. Nach etwa 25 Minuten dann ein Freistoß für Heim in der eigenen Hälfte nahe des Strafraumes – nur wollten die den dann fast am Mittelkreis ausführen, das ist selbst meiner Großzügigkeit zu viel und ich beordere die zurück, was zähneknirschend und halbherzig befolgt wird. Etwa 5 Minuten später dann erneut ein Freistoß für Heim, diesmal etwa 10 Meter von der Mittellinie entfernt, aber derselbe Spieler versucht es erneut, fast genau auf der Mittellinie. Diesmal gibt es kein Pardon, ich mache mich auf den Weg und werde mit dem Kommentar empfangen, ich müsse lauter rufen. Jetzt darf sich der Spieler aussuchen, ob er für den erneuten Versuch der deutlichen Verlegung des Freistoßpunktes oder für seinen unsportlichen Kommentar, denn außer ihm hatte das wohl jeder auf und um den Platz gehört, die Verwarnung einstecken muss. Ich notiere selbige und sage ihm ausdrücklich, dass ich anpfeife ... Der geneigte Leser wird ahnen, was nun passiert: Genau, der Spieler, mit trotzigem Gesichtsausdruck, führt aus, nachdem ich nur wenige Meter gelaufen bin und ihm gerade den Rücken zugedreht hatte, aber ohne den Pfiff abzuwarten. Da als Schütze kein anderer Spieler in Betracht kam, drehe ich mich wieder um und es folgt die zwingende Konsequenz: Gelb-Rot. Die nächste Konsequenz ist eine Debattierrunde, deren Auflösung mich etwas Mühe kostet.
Erwähnenswert in Halbzeit 1 auch noch eine Aktion eines Gästestürmers, der bei einer Aktion zu Fall kommt, die ich aber nicht als Foul noch als irgendwie bedenklich ansehe und daher weiterspielen lasse. Er bleibt flach auf dem Rücken liegen, aber niemand kommt auf die Idee, den Ball ins Aus zu spielen - weder Freund, die weiterhin versuchen, den Ball im Tor unterzubringen, noch Feind (Heim), warum auch? Irgendwann ist der Ball dann doch im Seitenaus und ich frage den Spieler, ob er Behandlung braucht. Der steht, ganz offenkundig unverletzt, auf und fragt mich, ob die Frage ernst gemeint sei. Da es nicht verboten ist, wenn ein Spieler liegen bleibt und sich auch sonst niemand hat irritieren lassen, verzichte ich auf eine Verwarnung, muss aber für mich feststellen, dass die Bestimmung, dass ein SR ein Spiel nur unterbrechen muss, wenn er einen Spieler für ernsthaft verletzt hält, ziemlich unbekannt ist. Torlos werden die Seiten gewechselt. Besonders erfreulich aber in der Halbzeit 3 Zuschauer, die mir bescheinigen, auf beiden Seiten alles richtig gemacht zu haben und das fachlich auch begründen können, so etwas trifft man selten.
Direkt nach dem Wiederanpfiff erzielt Gast den Führungstreffer, Heim war wohl noch nicht wieder ganz bei der Sache. Dann die 63. Minute: Ein Angriff auf das Tor von Heim, der Ball wechselt mehrfach die Seiten und die Mannschaften, kann aber von Heim nicht geklärt werden. Schließlich hat ein Spieler von Gast den Ball an der in Schussrichtung rechten Torraumecke, während am linken Torpfosten ein Mitspieler steht. Der Spieler erkennt dessen Abseitsstellung und schießt daher direkt auf und in das Tor. Da der Mitspieler keine Anstalten machte, in das Spiel einzugreifen, sich ruhig verhielt, dem Torwart nicht die Sicht verdeckte (der stand ein paar Meter entfernt Richtung Schützen und hatte den Spieler im Rücken) und auch sonst nichts vorlag, was m.E. eine (strafbare) Abseitsstellung hätte generieren können, habe ich das Tor anerkannt - und hatte spontan wieder viele Freunde von Heim auf und um den Platz.
Noch anzumerken wäre, offenbar auch eine große Unbekannte, eine Verwarnung für Gast. Ich hatte einem Spieler schon mitgeteilt, es solle doch seine Hände besser bei sich behalten, doch schon beim nächsten Angriff waren die wieder am Gegner. Das Foul an sich war sicher nicht verwarnungswürdig, aber irgendwann muss es einfach auch mal gut sein, schließlich war das nicht sein erstes Foul in dieser Art und Weise - verstanden hat er die Verwarnung aber nicht.
Zum Schluss dann „das Übliche“, ein paar wütende Zuschauer, aber auch ein sehr guter Ordnungsdienst und einige besonnene Stimmen. Ich frage mich aber doch einen Moment, warum ich mir so etwas antue und verstehe wieder einmal zu gut, warum wir in den mittleren Altersjahrgängen so große Lücken in den SR-Reihen haben.
