Was ist bloß auf den Sportplätzen los?

  • Hallo.

    Hierzu gab es erst kürzlich im Zusammenhang mit dem Jubiläum des Arbeitsabkommens mit der Türkei einen interessanten Beitrag auf dem DLF. Die befragte Journalistin kam unmittelbar nach dem Inkrafttreten als kleines Mädchen nach Deutschland, spricht perfekt Deutsch. Ist mit einem Deutschen verheiratet und hat ihre Kinder, die hier geboren wurden, deutsch sprechend erzogen. Trotzdem gelten diese Kinder, die keinen Ton Türkisch sprechen oder verstehen, die nicht öfter als andere in der Türkei zu Urlaub waren, als mit Menschen mit Migrationshintergrund.


    Und das ist doch genau das, was das Thema schwierig macht. Wurde nur der familiäre Hintergrund berücksichtigt, sprich ausländische Vorfahren und Name ohne Berücksichtigung der Sozialisierung? Eventuell sogar deutscher Staatsangehöriger?


    Zum verlinkten Kommentar von Max: Gemeinschaftliche Haftung des gesamten Vereins ist nur dann eine Lösung, wenn hier erkennbar gegen die Prinzipien des Verbandes gehandelt werden sollte und Gewalttätigkeit statt zu unterbinden sogar noch gepusht wird.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Kuba16

    Ich halte es auch für einen - sogar gravierenden - fehler, dass der Kollege das Spiel nicht abgebrochen hat.

    Klar, wobei bei ihm jetzt neben der wichtigen Frage "Fühle ich mich auf dem Platz noch sicher?" und der unwichtigen "Habe ich die Situation, über die sich der Spieler aufgeregt hat, richtig bewertet" noch "Hätte ich abbrechen sollen?" hochkommen, die für ihn und für das Sportgericht nicht im Vordergrund stehen sollten.


    Eventuell war er auch durch fragwürdige Urteile "Nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft" beeinflusst.


    Deshalb sollte der schlimme Tritt und nicht die SR-Entscheidungen diskutiert werden.

  • SO EIN FUCKING TRITT WIE HIER KOTZT EINEN AN :mad::mad::mad:

    Leider wusste ich schon vor zu Ende lesen des Artikels, von welcher beteiligten Mannschaft der tätliche Angriff ausgehen würde..


    Das ist ne beeindruckende Leistung. Denn bevor ich die Seite geöffnet habe, wusste ich nicht einmal, um welche beiden Teams es geht. Und als die Seite gelesen habe, stand direkt in der Bildunterschrift, welches Team einen Spielabbruch verursacht hat - der Gegner war zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht genannt.


    Ich glaube, hier spielt Dir ein Vorurteil einen Streich.


    Manfred und dazu hab ich hier mal nen Artikel aus der B.Z. 4u!


    Es ist wichtig, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Und es ist schwierig. Was sicherlich nicht weiterhilft, sind Beiträge aus dem Boulevard, egal ob "Bild", B.Z. oder "Express".


    Und das ist doch genau das, was das Thema schwierig macht. Wurde nur der familiäre Hintergrund berücksichtigt, sprich ausländische Vorfahren und Name ohne Berücksichtigung der Sozialisierung? Eventuell sogar deutscher Staatsangehöriger?


    Genau das.


    Dass Spieler mit Migrationshintergrund im Verhältnis zu ihrem Anteil an den aktiven Fußballspielern häufiger in solche Vorfälle (aktiv) verwickelt sind, kann man recht einfach ermitteln, dazu gibt es Studien.


    Aber liegt das wirklich am Migrationshintergrund? Oder nicht eher an der sozialen Stellung? Bildungshintergrund?

    Denn auch Spieler ohne Migrationshintergrund aus niedrigeren sozialen Schichten sind verhältnismäßig häufiger an solchen Vorfällen beteiligt als solche aus bspw. bildungsnäheren Kreisen.


    Hier Ursache und Wirkung zu ermitteln, um die Ursachen dann sinnvoll bekämpfen zu können, ist ziemlich komplex und eng verwurzelt mit ähnlichen Fragestellungen außerhalb des Fußballs. Was gar nicht weiterhilft, ich wiederhole mich, sind vorschnelle Schlussfolgerungen und vereinfachte vermeintliche Kausalitäten aka "Ich wusste direkt, dass die Libanesen die Klopper waren und nicht die Biodeutschen!".

  • Hier Ursache und Wirkung zu ermitteln, um die Ursachen dann sinnvoll bekämpfen zu können, ist ziemlich komplex und eng verwurzelt mit ähnlichen Fragestellungen außerhalb des Fußballs

    So sieht das nämlich aus. Der Fußball (im Amateurbereich) ist ein Spiegelbild der Gesellschaft in der genau so Gewalt und Respektlosigkeiten quasi an der Tagesordnung sind.


    Am meisten ärgert es mich, das wir Schiries zwar der "verlängerte Arm" für die Wettbewerbsdurchführungen des Fußball Verbandes sind (Denkt mal nach was wir außer der Spielleitung noch so alles machen), aber kaum Unterstützung bekommen wenn es um die Umsetzung "Unbequemer Regeln" oder, wie in diesem Fall, sogar Straftaten geht.


    Aber auch wir Schiries müssen uns an die eigene Nase fassen. Viel zu häufig beobachte ich das:


    • Disziplinarstrafen aus den verschiedensten Gründen nicht oder eben falsch eingetragen werden.
    • Sonderberichte nicht geschrieben werden
    • Innenraumverweise nicht durchgesetzt oder/und nicht eingetragen werden. Geschweige denn entsprechende Sonderberichte verfasst werden.
    • Keine Strafanzeige (wie in diesem Fall bestimmt wohl notwendig und hoffentlich erfolgt) gestellt wird. Ich wiederhole mich ungerne, aber das Sportgerichte sind eben keine "Gerichte" im Sinne der StPO, und somit sind diese auch in ihren Strafmaßen und Zuständigkeiten beschränkt.
    • ...
  • Am meisten ärgert es mich, das wir Schiries zwar der "verlängerte Arm" für die Wettbewerbsdurchführungen des Fußball Verbandes sind (Denkt mal nach was wir außer der Spielleitung noch so alles machen), aber kaum Unterstützung bekommen wenn es um die Umsetzung "Unbequemer Regeln" oder, wie in diesem Fall, sogar Straftaten geht.


    Aber auch wir Schiries müssen uns an die eigene Nase fassen. Viel zu häufig beobachte ich das:


    [...]
    • Keine Strafanzeige (wie in diesem Fall bestimmt wohl notwendig und hoffentlich erfolgt) gestellt wird. Ich wiederhole mich ungerne, aber das Sportgerichte sind eben keine "Gerichte" im Sinne der StPO, und somit sind diese auch in ihren Strafmaßen und Zuständigkeiten beschränkt.


    Das ist für mich aber auch so ein Punkt, bei dem der betroffene Schiedsrichter vom Sportgericht unbedingt vernünftig beraten werden muss (und zwar am besten mit Hilfe eines externen Profis, ergo Rechtsanwalt o.ä.). Es gibt bei so einer Strafanzeige nämlich ein bisschen Pro und Contra (Verwaltungsaufwand, psychische Belastung, Rechtsfolgen für den Täter, die dem SR zukünftig vielleicht nicht gerade weiterhelfen, Aussichtslosigkeit einer Verurteilung, teilweise großer Zeitverzug etc. pp.).

  • bei dem der betroffene Schiedsrichter vom Sportgericht unbedingt vernünftig beraten werden muss

    Mit dem Sportgericht wäre ich hier vorsichtig.


    Jedoch gebe ich dir Recht, das die betroffenen Schiries hier viel zu wenig beraten werden. Hier wäre ein Team aus (von mir aus ehrenamtlichen) Juristen gefordert - und sagt mir nicht das es keine Juristen in einem Fußball Verband gibt.


    Ich würde dieses "Juristenteam" in einem speziell für derartige Vorgänge zuständigem Ausschuss ansiedeln. Im HFV gibt es ein sogenanntes "Gewaltprüventionsteam" welches sich um jede Art von Diskriminierung und Gewalt zu kümmern hat. Jedoch findet eine juristische Beratung und Unterstützung (meiner bisherigen Kenntnis nach) nicht statt.

  • Hier wäre ein Team aus (von mir aus ehrenamtlichen) Juristen gefordert - und sagt mir nicht das es keine Juristen in einem Fußball Verband gibt.

    Warum denn ehrenamtlich?
    Da soll der Verband einfach eine Art Rechtschutzversicherung anbieten für seine SR.

    Die dürften dann im Falle solcher Aktionen kostenlos (also Verband zahlt) einen RA nehmen der sie berät.


    Kann mir niemand erzählen, dass das zu teuer wäre. Selbst wenn der Verband dafür einen eigenen Anwalt anstellen würde dürfte das ausreichen. Sooooo oft kommt das zum Glück ja dann nun doch nicht vor.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer (wieder) Spieler der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Manfred und dazu hab ich hier mal nen Artikel aus der B.Z. 4u!

    Die BZ ist ein Schmierblatt, das man nicht mit der Kneifzange anfasst und speziell Schupelius ist ein widerlicher Hetzer.


    Das Problem mit den Vereinen, wo viele Spieler mit Migrationshintergrund sind, hat andere Ursachen. Später vielleicht mehr dazu.

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Sorry, aber ich hab 0,0 Verständnis für den Kollegen, der nach einem Tritt in den Unterleib weiterpfeift. Hier hat er verdammt noch mal das Amt des Schiedsrichters zu schützen. Er hat uns allen einen Bärendienst erwiesen.

  • Sorry, aber ich hab 0,0 Verständnis für den Kollegen, der nach einem Tritt in den Unterleib weiterpfeift. Hier hat er verdammt noch mal das Amt des Schiedsrichters zu schützen. Er hat uns allen einen Bärendienst erwiesen.

    Sorry, aber ich habe 0,0 Verständnis für Victim Blaming. Der Kollege hat nicht die Aufgabe, das Amt des Schiedsrichters zu schützen; das kann man maximal von den SR der obersten Ligen erwarten.


    Das war eine absolute Ausnahmesituation für ihn und er hat so entschieden, wie er in dem (stressigen!) Moment glaubte, am besten aus der Sache rauszukommen. Wenn sein Obmann bei einer der letzten Schulungen nochmal gesagt hätte: Wenn der SR angefasst wird, ist das Spiel zu Ende Ende, hätte er sicher abgebrochen. Vielleicht ist ihm aber auch das Erlebnis seines Kollegen durch den Kopf gegangen, der sich beim Sportgericht für einen Abbruch rechtfertigen musste.


    Ich weiß es nicht, aber ich mach ihm sicher jetzt keinen Vorwurf.

  • Ich weiß es nicht, aber ich mach ihm sicher jetzt keinen Vorwurf.

    Ich auch nicht.


    Aus der Perspetive 40cm vor dem Bildschirm sagt sich so etwas immer so einfach. "Ich hätte und sofort ......"



    Wir dürfen dem Kollegen gerne zugestehen, das er anders reagiert hat als viele von uns erwartet hätten. Ich gestehe ihm zu das er vielleicht gar nicht so rational reagiert hat wie es aus der 40cm Perspektive möglich ist.


    Er hat so reagiert und entscheiden wie er reagiert und entschieden hat. Wir sollten nicht darüber Urteilen ob dies falsch oder Richtiog war, sondern darüber diskutieren was da passiert ist.,

  • Ich hätte in Essen auch lieber einen Abbruch gesehen, aber vielleicht hat ja auch das hier für den SR eine Rolle gespielt:

    Zitat

    Vor dem Angriff kommt es zu einer Rudelbildung, offenbar aus Verärgerung über eine Entscheidung des Schiedsrichters. Ein Al-Arz-Spieler verliert schließlich die Nerven und geht auf den Unparteiischen los. Zwei Mitspieler versuchen ihn zurückzuhalten, einen Tritt in die Magengegend des Schiedsrichters können sie nicht verhindern. Das Opfer geht sofort zu Boden, kann sich aber wenige Augenblicke später wieder aufrichten und die Leitung des Spiels fortsetzen.

    Zwei Spieler haben versucht den SR zu schützen. Sofern der Schläger nicht nur das Feld, sondern auch die Sportanlage verlassen hatte, und der Rest der Mannschaft ruhig war, ist es menschlich verständlich (wenn auch m.E. immer noch falsch), dass der SR das Spiel fortsetzen wollte.

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Er hat so reagiert und entscheiden wie er reagiert und entschieden hat. Wir sollten nicht darüber Urteilen ob dies falsch oder Richtiog war, sondern darüber diskutieren was da passiert ist.,

    Jein. Wir sollten ihn wegen seiner Entscheidung nicht verurteilen, gleichwohl muss aber die Feststellung erlaubt sein, dass die Entscheidung objektiv falsch ist - nach einem tätlichen Angriff auf den SR in der beschriebenen Heftigkeit darf es zu keiner anderen Entscheidung als dem Abbruch kommen, das kann man nicht oft genug betonen; und bekanntlich kann man aus Fehlern, auch wenn andere die gemacht haben, lernen.

  • Mit dem Sportgericht wäre ich hier vorsichtig.


    Du hast völlig Recht. Da war ich beim Tippen im Kopf schon ganz woanders - ich meinte natürlich nicht das Sportgericht, sondern den jeweiligen Fußballverband. Das dürfte sich am besten über einen externen Juristen, der vom Kreisverband beauftragt wird, oder vom angestellten Juristen des Landesverbandes realisieren lassen.

  • Überall sollte der Opferschutz vor dem Täterschutz stehen.

    Ich konnt schon früher nicht verstehen, das der Schiedsrichter im gleichen Raum wie der Spieler der die Tätlichkeit begangen hat auf die Verhandlung warten muss meisten auch noch alleine.

    Gute Obleute gehen auch bei erfahrenden Kollegen mit , als Unterstützung.

    Ich hatte auch schon mal vorgeschlagen das es bei Tätlichkeiten gegen den Schiedsrichter jedesmal eine Anzeige vom Verband geben sollte bzw. der Kollege von einen Anwalt beraten werden. Der Anwalt wird natürlich vom Verein des Täters bezahlt ! Der jeweilige Verband zahlt natürlich erstmal den Anwalt und drückt es dann in der jeweilige Verhandlung dem Verein auf !




    Zum besprochenen Fall, wenn man nicht beim Spiel anwesend war sollte man auch nicht über den Kollegen schimpfen, wir wissen nicht was in seinen Kopf vorging und/oder wie er vielleicht auch belabert wurde von beiden Mannschaften, das Spiel weiter zu leiten. Richtig wäre es gewesen das Spiel abzubrechen. Wer hat aber nicht schon falsche Entscheidungen getroffen oder war der Schiedsrichter von letzer Woche ?

    Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. (Bill Shankly)

  • Ich konnt schon früher nicht verstehen, das der Schiedsrichter im gleichen Raum wie der Spieler der die Tätlichkeit begangen hat auf die Verhandlung warten muss meisten auch noch alleine.

    Gute Obleute gehen auch bei erfahrenden Kollegen mit , als Unterstützung

    Sehe ich ganz genauso. Soweit ich das mitbekomme, ist das in den meisten Kreisen/Verbänden auch ganz gut geregelt, und zwar über den SR-Obmann bzw. den SR-Ausschuss, die meist jemanden hinschicken, der dem SR als Ansprechpartner dient. Und sei es nur für ein gewisses Sicherheitsgefühl.


    Sportgerichtsverhandlung gegen einen Funktionär, bei dem von beiden Teams auch noch ne Handvoll Spieler als Zeugen geladen sind, und der SR als "Kronzeuge" hockt dann mit all denen im Warteraum. Keine schöne Situation.