Was ist bloß auf den Sportplätzen los?

  • Über den Vorfall gibt es jetzt einen ausführlicheren Bericht. Ich kenne nicht nur den Schiedsrichter (welch Wunder ;) ) sondern auch beide Mannschaften und deren Begleitpersonal, einen weiteren Kommentar möchte ich daher nicht abgeben.


    Dennoch ist das sicher nur die traurige Spitze des Eisberges, wie ja auch dieses andernorts diskutierte Beispiel zeigt.

  • Wir hatten gestern Lehrabend und das Thema "Schimpfen, Beschimpfen und Beleidigungen". Es gab ein Blatt mit 80 Sachverhalten und wir sollten ankreuzen, was wir machen: Weiterspielen, Ermahnen, Verwarnen, FaD/Innenraumverweis. Das anschließende Ergebnis: Jeder pfeift subjektiv. Während die Einen auf Durchzug schalten oder ermahnen, schicken die Anderen den Spieler mit FaD vom Platz.


    Von daher schlecht zu beurteilen, ob es rauher zugeht auf und um den Platz oder der anwesende SR alle (Pflicht)Verwarnungen durchzieht und dazu noch frische Batterien im Hörgerät hat :ironie:.


    Es waren sich aber Alle beim Lehrabend einig: Beleidigungen gegen den SR enden mit FaD :rote_karte:.


    Tenor war letztentlich "Alles Sehen, wenig Hören".

  • Meiner Meinung nach sind es tatsächlich fast immer nur einzelne Personen, die Ihren Frust beim Fussball ablassen und "durchdrehen".
    Da sollte man nicht ganze Mannschaften bzw. Vereine unter Generalverdacht stellen und verurteilen.


    Bei uns im Kreis Rhein-Ahr gab es vor einigen Wochen einen Zwischenfall als ein Spieler seinen am Boden liegenden Gegenspieler, von dem er wohl gefoult worden war, mit 2-3 Schritten Anlauf ins Gesicht getreten hat.
    Er ist einfach durchgedreht, was natürlich in keinster Weise zu entschuldigen ist.
    Das Ganze ging so schnell, da konnte einfach niemand einschreiten.
    Ich hatte die Mannschaft dieses Spielers im nächsten Pflichtspiel und Ihr könnt Euch vorstellen, was die Jungs sich jetzt von den gegnerischen Mannschaften und Zuschauern anhören müssen. Das ist nicht in Ordnung und trägt sicher nicht zu guter Stimmung und einem vernünftigen Fussball-Spiel bei.


    Für mich sind es immer einzelne Personen und diese herauszupicken ist unsere schwerste Aufgabe.
    Ich weiß, das ist sicher nicht einfach, aber da müssen wir durch und wir werden es sicher schaffen auf "unseren" Plätzen für ein geregeltes Spiel zu sorgen.

  • Ü40;170706 schrieb:


    Tenor war letztentlich "Alles Sehen, wenig Hören".



    So halte ichs üblicherweise auch, auch wenn mir eigentlich klar ist dass eine gelbe Karte zur rechten Zeit doch deutlich für weniger Kommentare sorgt.


    Aber grundsätzlich konnte ich in den Spielen die ich diese Saison hatte keine wirkliche Tendenz zu ruppigerer Gangart oder wirklichen Beleidigungen feststellen. Einen FAZ hätte ich zeigen können, hätte der Spieler oder Trainer dem Gegner den "Hurensohn" nicht hinter meinem Rücken zugerufen, ansonsten bin ich glaub wieder froh dass diese Gewaltwelle noch nicht in der schwäbischen Provinz angekommen ist.

  • Manfred;170704 schrieb:

    Über den Vorfall gibt es jetzt einen ausführlicheren Bericht. Ich kenne nicht nur den Schiedsrichter (welch Wunder ;) )



    Als ich den verlinkten Bericht von Manfred gerade gelesen habe blieb mir kurz der Atem stehen. Auch ich kenne, wie wohl eigentlich jeder der beim Usertreffen war, den SR. Es ist wirklich unschön.


    Auch ich muss sagen, dass ich eine enorme Kartenzahl habe. In meinen 38 Einsätzen als SRA und SR, 12 davon waren Freundschaftsspiele, gab es bereits 5 FaD, 11 Gelb-rote und krasse 96 VW. Für mich gilt zwar das gleich wie für JRS, dennoch finde ich die Kartenanzahl einfach zu hoch. Es gibt Ausnahmen, aber teilweise geh ich mit persönlichen Strafen im zweistelligen Bereich aus dem Spiel.

  • Ingo B.;170708 schrieb:

    Meiner Meinung nach sind es tatsächlich fast immer nur einzelne Personen, die Ihren Frust beim Fussball ablassen und "durchdrehen".
    Da sollte man nicht ganze Mannschaften bzw. Vereine unter Generalverdacht stellen und verurteilen.



    Richtig :top:


    Auch bei mir in der Mannschaft ( Ü32) sind 2, die nie ohne :gelbe_karte: bei einen Spiel rauskommen. Auch bei den gegnerischen Mannschaften sind immer 1-2 dabei, wo schon die Mitspieler den Kopf schütteln.

  • Vielleicht sind dann hier mehr die Trainer und Vereine gefragt, sich von solchen Spielern schnellstens zu trennen - oder Vereine von Trainern, die dem Treiben bestimmter Spieler tatenlos zuschauen.

  • Was ich hier wieder lese ist krass. Es ist anscheinend im Junioren Bereich langsam auch so das es zu gewaltlichen attackeng egen Schiedsrichter kommt. Wo ist die Diziplin ? Warum spielen solche ´´****´´ Fußball ? Das auch noch in der Jugend das ist schon krass ! Kein Wunder wieso es immer weniger SR gibt/geben wird ! Wenn man sowas liest schreckt einen ab gerade im Fall dieses Artikel schreckt es eventuell viele Jung- SR ab !


    Quelle :
    http://www.fussball.de/amateur…richter/id_50342292/index

  • Das Thema "es sind häufig nur einzelne Spieler" habe ich am Dienstag wieder live erleben dürfen.


    Ich pfeife eine relativ "normale" Mannschaft, bei der der Libero jeden Ball und jede Aktion kommentiert und ständig rumplärrt.
    Ich habe die Jungs in den letzten Jahren 5-6mal gepfiffen und da kennt man sich ja.
    In diesen 5 oder 6 Spielen musste ich dem Libero immer die gelbe Karte zeigen, 2mal sogar gelb-rot.
    Ihr kennt diese Art von Typen: 1,95 m groß, 105 Kilo schwer und wenn dann der 65 Kilo schwere, 1,68 m große Stürmer aus Versehen gegen ihn läuft, stirbt er gleich den Heldentod wie einst Gladiator im Kolosseum beim Kapf gegen 8 Löwen.


    Am Dienstag war seine Mannschaft extrem unterlegen und ich hatte einfach keine Lust mich mit seinen ständigen Provokationen und Kommentaren zu befassen. Diesen Luxus konnte ich mir leisten, weil die gegnerische Mannschaft ihn natürlich auch kennt und nicht viel mehr als ein müdes Lächeln für ihn übrig hatte.


    Ungefähr in der 70. Minute bin ich dann bei einem ruhenden Ball zu ihm hin und habe ihn leise gefragt "Herr XXX, was meinen Sie, schaffen wir es heute mal ohne gelbe Karte?" Antwort: "Auf keinen Fall!" Meine Antwort: "Wetten doch?!?!?"
    Er war ziemlich geplättet und hat dann quasi 20 Minuten um eine Karte gebettelt, aber irgendwie wollte der gelbe Karton einfach nicht aus meiner Brusttasche. Die Gegner, die Zuschauer und auch seine eigene Mannschaft haben am Ende bei jeder Aktion von ihm einfach mitgelacht.
    Herrliche Aktion, die man natürlich nur machen kann, wenn das Spiel gelaufen ist und man alles gut im Griff hat.


    Ich denke jedenfalls, dass er durch diese Aktion wesentlich mehr gelernt hat als wenn ich in in der 60. Minute mit gelb-rot zum Duschen geschickt hätte.
    Vielleicht bin ich zu blauäugig, aber ich glaube halt noch an das Gute im Menschen!!!
    ;)

  • Im Einzelfall und unter passenden Umständen kann man so etwas mal machen. Meine Erfahrung lehrt aber, dass in jeder Mannschaft 2, 3 oder 4 "Problembären" zu finden sind - und schon geht das nicht mehr.


    Erschwerend kommt hinzu, dass sich auch Gegner nur zu gerne provozieren lassen. Wie bescheuert das manchmal sein kann konnte ich letzten Sonntag wieder erleben: Rüdes Foul in der Nähe der Mittellinie und das auch noch wenige Meter vor meinen Augen, sofortiger Pfiff und dennoch eine kleine Rudelbildung. Ich stehe mittlerweile einen Meter daneben und fordere laut und sehr nachdrücklich dazu auf, auseinanderzugehen und friedlich zu bleiben, was auch funktioniert, dabei habe ich die Hand schon an der richtigen Tasche - und was passiert: Im Aufstehen muss der Gefoulte den Foulenden mit beiden Händen schubsen, zwar nicht so heftig, dass dies Konsequenzen hat, aber zumindest so, dass ich das nicht mehr übersehen kann, also musste ich die Rote Karte gleich zwei mal Höhenluft schnuppern lassen - und die zweite Karte hat mich echt geärgert, war aber aus meiner Sicht alternativlos und pure Dummheit. Die Krönung ist dann noch, dass dieses Spieler sich lautstark über einen "Hurensohn" ärgert, wobei mir nicht ganz klar war, ob er den Foulenden oder mich meint, egal, das steht jetzt auch genau so im Spielbericht und beschäftigt andere. Was war aber das besonders fatale an der Situation: Beide Spieler waren jetzt nicht der Typus, bei dem man recht schnell weiß, dass das Probleme geben wird, beide waren bis dato unbelastet (und wir waren immerhin rund 5 Minuten vor Spielende). Hier könnte allenfalls der "präventive Pfiff" helfen - und der ist aus gutem Grund nicht vorgesehen (wäre ich Hellseher, so würde ich diese Fähigkeiten anders nutzen ;) ).


    Ich bin zugegebenermaßen einigermaßen ratlos, bleibe aber dabei, dass sich die sehr negative Tendenz seit Beginn der Saison deutlicher denn je abzeichnet und ich - zumindest noch - keine Trendwende erkennen kann. Gäbe es da nicht ab und an die Spiele, in denen es auch mal ruhig und problemlos zugeht - zum Glück gibt es die auch noch - könnte man verzweifeln und das Hobby nur noch aufgeben.

  • Nun habe ich auch mal ein bischen Statistik betrieben und schaute mir in der Berliner "Fussballwoche" gezielt die Kartenverteilung in Berlin-Liga, Landesliga, Bezirksliga und Kreisliga A-C an.
    Dieses Wochenende gab es wieder eine deutlich erhöhte Anzahl an Gelb/Roten und Roten Karten.
    Interessant dabei ist, daß nicht immer knappe Spiele betroffen sind, sondern mehr Spiele mit klaren Endergebnissen. Und das die bestraften Spieler gehäuft zu den Mannschaften gehörten, die eigentlich klar gewonnen haben (!?).
    Auffällig war auch eine erhöhte Zahl roter Karten wegen Schiedsrichterbeleidigung, meist kurz vor Spielende oder direkt nach Abpfiff.

  • Ingo B.;170795 schrieb:

    D"Herr XXX, was meinen Sie, schaffen wir es heute mal ohne gelbe Karte?"



    Das mag im Einzelfall gut gegangen sein. Aber was hättest Du gemacht, wenn er wirklich gelb hätte bekommen müssen? Man sollte den Spielern gegenüber immer den Eindruck aufrecht erhalten, dass jedes Spiel bei Null losgeht, auch was die persönlichen Eindrücke (und Strafen) angeht. Und - auch wenn man sich natürlich nicht 100%ig von früheren Eindrücken lösen kann und vielleicht auch nicht soll - ist das auch richtig.


    Ich hatte neulich eine Mannschaft, denen ich beim letzten "Aufeinandertreffen" zweimal glatt rot wegen SR-Beleidigung und werweißwieviele gelbe Karten zeigen musste. Diesmal haben sie - obwohl in ziemlich gleicher Zusammensetzung und obwohl es ein umkämpftes Spiel mit einigen Animositäten war - das Spiel rumbekommen ohne eine einzige persönliche Strafe. Auch das gibt's also. Wäre ich mit der m.E. falschen Einstellung reingegangen, dass ich denen gleich wieder was beweisen muss, hätte ich schon ein, zwei gelbe Karten wegen Meckerns zeigen können, aber die hätte ich einer unbekannten Mannschaft auch nicht gezeigt.


    Auch die Mannschaften brauchen Positiverlebnisse, dass es sich lohnt, sich am Riemen zu reißen und an der Disziplin zu arbeiten.

  • Ab und an hilft bei solchen Mannschaften auch einfach ein Trainerwechsel... Ich hatte vor zwei Jahren oder so eine C-Jugend gepfiffen die sich zumindestens eine Halbzeit lang ganz offensichtlich die ganze Zeit gegenseitig auf Türkisch angegiftet hatte bis mir der Spielführer dann doch mal den "Gefallen" getan hat einen seiner wenigen deutschen Mitspieler als "blöd" oder sowas zu bezeichnen. Ich habs bei einem FaZ belassen, danach war es plötzlich relativ ruhig.
    Als ich die Mannschaft im nächsten Jahr bekommen hatte war ein neuer Trainer an der Seitenlinie der von draussen schon laut wurde als die Jungs auf türkisch losgelegt hatten (und bei der Passkontrolle auch noch meinte, er hätte schon gehört dass es da im vorigen Jahr Probleme gegeben hätte und es sowas bei ihm nicht gibt), und plötzlich war die ganze Mannschaft viel ruhiger und hat sich mehr aufs Fußball spielen konzentriert.


    dennosius;170800 schrieb:

    Das mag im Einzelfall gut gegangen sein. Aber was hättest Du gemacht, wenn er wirklich gelb hätte bekommen müssen? Man sollte den Spielern gegenüber immer den Eindruck aufrecht erhalten, dass jedes Spiel bei Null losgeht...



    Wobei das in der 70. Minute war, da war glaub nimmer soviel mit der Null soweit ich das im obigen Bericht verstanden habe :)

  • Manfred;170630 schrieb:

    .. Was ist bloß auf den Sportplätzen los?



    Meine persönliche Tendenz in dieser Saison: Mit den Spielern komme ich klar; Probleme gibt es meist von außen. Zum Glück hält sich bis jetzt alles in Grenzen; wenige Minuten nach dem Schlusspfiff ist meist alles wieder gut. Zu Handgreiflichkeiten ist es zum Glück bei meinen Spielen noch nicht gekommen; das liegt aber auch daran, dass ich meist keine brisanten Spiele leite sondern eher die "einfachen".

  • So, nachdem wir uns nun alle über die Täter und deren Gefolge ausgelassen haben, möchte ich das Thema mal in eine andere Richtung lenken.
    Was können wir SR tun um solche Situationen zumindest einzuschränken und deeskalierend zu wirken? Welchen Anteil hat der SR an solchen Gewaltexzessen?

    Gott sei Dank habt ihr Schiedsrichter, sonst müsstet ihr eure Fehler ja bei euch suchen !

  • Genau das habe ich mich auch gefragt, weil bei jeder Roten Karte und auch bei einer größeren Anzahl an Karten ich mich in der Rückschau des Spieles immer frage, was passiert ist und ob ich etwas hätte tun können. Mein persönliches Fazit für diese Saison lautet aber, dass mehr als laut und deutlich zu pfeifen, schnell vor Ort präsent zu sein und teilweise schon sehr klar erkennen zu lassen, was denn jetzt folgen wird, einfach nicht drin ist. Und bei den Verwarnungen müsste ich die Pflichtverwarnungen weg lassen.


    Wirklich problematisch sind nach meinem Empfinden vor allem die Zuschauer - und da sind die Möglichkeiten des SR eher begrenzt.

  • Ich denke, daß Problem wird sich nur vernünftig lösen lassen, wenn mehrere Gruppen sich ändern und zusammenarbeiten.
    Der Schiedsrichter allein kann es nicht. Er/Sie kann sich nur bemühen, das Regelwerk so gut wie möglich umzusetzen. Sollte das Eingehen und Reden auf Spieler und Trainer nichts helfen, so muß eben die gesamte "Härte des Gesetzes" konsequent zur Anwendung kommen. Und die Sportgerichte müssen dementsprechend knallhart mitziehen, auf keinen Fall so, wie die spanischen Sportgerichte den Fall Mourinho "gelöst" haben.
    Vereine müssen sich mehr Gedanken machen, ob sie wirklich bestimmte Spieler in ihren Reihen dulden wollen oder nicht. Aus meiner Sicht ist nichts verheerender, als wenn durch das Fehlverhalten EINES Spielers EINER Mannschaft der GESAMTE Verein das Prädikat "Knüppelverein" bekommt. Doch viele Vereine sehen das leider nicht so. Und wenn die Selbstreinigungskraft versagt, müssen leider auch da drastischere Maßnahmen von den Verbänden her.
    Gleiches betrifft auch Trainer. Es ist nicht nur erschreckend, wie teilweise schlecht deren Benehmen und Disziplin ist, auch das Regelkundewissen ist erschreckend gering. Leider sind viele Trainer völlig darüber erhaben, sich an Fortbildungen zu beteiligen, Zitat "Ick hab lange Jahre Oberliga gespielt, ick hab det nich nötig!". Das besonders Trainer im Jugendbereich durch Pöbeleien und Beleidigungen auffallen, ist schlichtweg nicht tragbar. Es ist doch kein Wunder, daß sich Spieler im Erwachsenenalter daneben benehmen, wenn ihnen das von klein auf negativ vorgelebt wurde. Auch hier ist die Selbstreinigungskraft der Vereine gefragt.
    Allgemein ist die Rolle des Schiedsrichters als Respektsperson und Spielleiter drastisch gesunken. Damit meine ich nicht, daß man Schiedsrichter nicht kritisieren darf. Doch Sachkenntnis und vor allem der Ton machen die Musik, und die ist im Augenblick völlig schräg. Und das ist völlig unabhängig davon, wie gut oder schlecht ein Schiedsrichter in der objektiven Realität ist. Und gegen Ausraster aus dem Nichts kann ein Schiedsrichter schwer etwas unternehmen, es sei denn, er bekommt eine umfangreiche Schulung als Psychologe.
    Schwierig ist es auch, gegen den allgemein sichtbaren Sittenverfall anzugehen. Dies liegt auch daran, das wir uns alle auch einfach daran gewöhnt haben. "Es ist eben so!", wird überall achselzuckend kommentiert. Doch nur, weil wir uns an bestimmte Dinge einfach nur gewöhnt haben, bedeutet das nicht, das das auch "normal" und richtig ist. Dazu gehört auch, den Wochen- und Lebensfrust auf dem Fussballplatz auszuleben. Frei nach dem Motto: "Alles, was ich sonst nicht darf, darf ich jetzt hier auf dem Platz". Auch sollte man zu der Einsicht zurückkehren, daß Fussball nur ein Sport, ein Hobby ist. Man sollte das ganze nicht so bierernst nehmen, doch für viele Spieler, Mannschaften, Trainer, Vereine und vorallem für Zuschauer scheint es da eher um Leben und Tod, um Blut und Ehre zu gehen. Fussball und Verein werden zu dem absoluten Lebensmittelpunkt stilisiert, weil es scheinbar sonst nichts anderes, befriedigenderes gibt. Irgendwie bewegt sich der Fussballsport immer mehr in die Richtung altrömischer Gladiatorenspiele, Erfolg um jeden Preis ist das Motto.
    Ein typische Beispiel war die tätliche Auseinandersetzung zwischen zwei Zuschauergruppen, bei der ich Zeuge da. Gestandende Personen über 50 und 60 gingen sich da 15 Minuten lang an die Gurgel, die Mannschaften machten auf und neben dem Platz munter mit und der Schiedsrichter brach das Spiel ab. Anschließend unterhielt ich mich mit einem der mir bekannten Sponsoren des Gastvereins, einem 70jährigen, ehemaligen Rechtsanwalt(!). Als ich mich entsetzt über die "Schlägerei" äußerte, kam von ihm doch glatt der Spruch "Das war doch keine Schlägerei! Ich verstehe nicht, wieso der Schiedsrichter abgebrochen hat. Wirklich eine schwache Leistung!". Und genau diese Geisteshaltung ist das eigentliche Problem!!!

  • Was vllt. auch ein Problem ist: Die unterschiedlichen Linien von den SRs der verschiedenen Spielen. Manch ein SR gibt für ein spezielles Foul, welches man sowohl mit :gelbe_karte: als auch mit :rote_karte: bestrafen kann, (nur) :gelbe_karte: und der SR des nächsten Spiels gibt dann :rote_karte: für das gleiche oder en ähnliches Foul. Und dann gibt es Palaver auf dem Platz, egal wie das Spielcharakter davor war und inweit dieses die Entscheidung beeinflusst hat.