1. Beobachtung

  • Hallo!


    Hier war sie nun, meine erste offizielle Beobachtung. Da es bei uns im Kreis immer enger wird mit Schiedsrichtern für die höheren Klassen (Alterslimit für die Kreisliga bereits angehoben auf 60 Jahre) gab es schon im Sommer die Absprache mit dem KSO, daß ich zum Ende der Hinrunde eine Beobachtung bekomme und ggf. in der Rückrunde Kreisligaeinsätze bekomme.
    Vor unserer Schiri-Versammlung am Freitag sprach mit ein Landesliga-Schiedsrichter an und teilte mir mit, daß ich bereits jetzt durch Ihn eine Beobachtung erhalten werde. (mein 5. Herrenspiel)
    Der Zeitpunkt dieser Mitteilung war mir im Nachhinein unrecht, da ich mir natürlich viel zu viele Gedanken über das bevorstehende Spiel machte und bereits Samstag Vormittag mein Magen flau war.


    Nun zum Spiel: Ansetzung am Samstag 2. Kreisklasse (natürlich ohne SRA's). Anstoss 15:00 Uhr. Ich war kurz nach 14:00 Uhr da, das Sportlerheim noch verschlossen, keine Linien gezogen etc. Das ging dann ganz langsam los, sodaß ich die Platzkontrolle erst 30 Minuten vorher machen konnte (und ja, ich musste die eine Strafraumlinie neu ziehen lassen, da die rechte Seitenlinie fast 18m lang war.)


    Ich nutzte vorher die Zeit, um beide Parteien über die Beobachtung zu informieren und bat bereits vorher, doch auf die üblichen Klettbänder und andersfarbigen Radlerhosen zu verzichten. Das klappte auch wunderbar. (wurde während der Auswertung lobend erwähnt, da ansonsten niemand in der 2. KK darauf achtet).


    Bei der Ankunft von Gast musste ich feststellen, daß 2 Spieler SR sind, mit denen ich eine Woche vorher als Team auf dem Platz stand (ist immer blöd sowas).


    Nun, das Spiel wurde pünktlich angepfiffen und die erste Halbzeit lief total ereignislos bzgl. Foul/Abseits (insgesamt 5 Kleinigkeiten). Kein Gemaule, Reklamieren etc. Gast ging mit 0:2 in Führung und Heim erzielte kurz vor Halbzeitpause den Anschlusstreffer nach gegebenen Vorteil)


    Das erste Mal ärgerte ich mich nach einem Abseitpfiff, als der Spieler den Ball noch über Toraus wegtrat. Ich ermahnte ihn lediglich (ich fand, daß das auf Grund des Spielverlaufes ausreichend war) und er entschuldigte sich nochmals dafür in der Halbzeitpause. Natürlich dachte ich dann an den BEO und die nicht erfolgte "Katalog"-Verwarnung :(


    Zur 2. Halbzeit wurde bei Gast einmal gewechselt, der Spielertrainer mit 52 Jahren (Nr. 12) kam rein (ehemaliger Oberligaspieler) und fing an zu provozieren. Ca. zur 60. Minute dann ein Strafstoss für Heim, da der Gastspieler im Strafraum beim Zweikampf um den Ball den Gegenspieler während eines hohen Beins (ohne Kontakt) auch noch mit den Händen berührte und der Heimspieler zu Fall kam. Kurzes Reklamieren des Gastspielers Nr. 12, dass das kein Strafstoss wäre. Der Strafstoss wurde ausgeführt und wurde abgewehrt. In dieser Situation kam dann von der Nr. 12 "Siehste - das war kein Elfer!!!" Auch das versuchte ich zu überhören und ließ weiterspielen.


    Dann allerdings kam die Situation, bei der ich dann nur noch auf das Ende hoffte und den Anschiss durch den BEO erwartete:


    Ball wird auf Tor von Gast gespielt, Torwart hält und nimmt den Ball auf, während Nr. 12 wieder was sagt. Ich pfeife und ermahne nur Nr. 12, der dann auch ab da ruhig war. Tja und dann mein Bock, den ich sofort erkannte .... -> ich ließ mit Abschlag fortsetzen :(


    Nun, das Spiel ging dann insgesamt, da auch in der 2. HZ kaum Foulspiele waren ohne Karten mit dem Spielstand 3:3 zuende.


    Ich ab in die Kabine, Berichtsbogen ausgefüllt und auf den BEO gewartet. Vorab: es war eine sehr ausführliche Auswertung.


    Folgende Kernpunkte:


    1. Nichtgegebene Verwarnung 1Hz wegen Ballwegschlagen vertretbar aufgrund des ruhigen Spielverlaufes und dem zeitlichen Abstand zwischen Abseitspfiff und Balltreten
    2. Strafstoss korrekte Entscheidung
    3. Meinen Bock hat er wie durch Wunder nicht gesehen (falsche Spielfortsetzung)
    4. Meine Reizschwelle bei Reklamationen liegt viel zu hoch - ich muss deutlich kleinlicher werden und viel früher ermahnen (und auch hier noch lauter und für alle hörbar) und verwarnen
    5. Bei Ihm hätte die Nr. 12 das Spiel nicht überstanden (er hätte Ihn bereits beim Spruch nach dem Strafstoss ohne Ermahnung verwarnt)
    6. super Laufbereitschaft bis zum Ende
    7. Laufwege bereits für Spielleitung mit Assistenten ausgelegt, dadurch allerdings manchmal zu weit weg vom Geschehen.


    Er wird nun empfehlen, daß ich im Oktober/November nochmals eine Beobachtung bekomme, er will versuchen, diese selbst wieder zu machen. Wenn ich seine Hinweise umsetze, steht dem Aufstieg in die Kreisliga nichts mehr im Wege. :)

  • Ist doch schön, wenn Du einen Fehler bemerkt hast, den der BEO nicht registriert hat. Wichtig ist doch, dass Du es merkst und beim nächsten mal besser machst.


    Die Sache mit den Meckereien und Reklamationen ist immer schwer zu taxieren, einerseits sollte man die Messlatte nicht so niedrig setzen, dass man sich selber bindet und am Ende mehr als die Hälfte der Verwarnungen wegen Meckerns war, andererseits muss auf dem Platz doch eine gewisse Ruhe herrschen - hier aus der Ferne einen Rat zu geben ist schwierig, bis auf: Bleibe immer souverän ohne arrogant zu wirken. Die Sache mit der Ermahnung ist immer der Situation anzupassen, mal ist eine deutliche Geste angebracht, mal eben klare Worte - und die Lautstärke ist stets so zu wählen, dass man den Adressatenkreis (soll es mehr oder weniger nur der Spieler hören oder ist das eine klare Ansage auch an anderer Spieler oder sogar an Zuschauer) auch erreicht, nur anschreien sollte man einen Spieler nicht.


    Die Sache mit dem Stellungsspiel ist für Alleinpfeifer immer schwer und stets ein Kompromiss zwischen dem "Z" und der gebotenen Spielnähe, allemal, wenn man den Spielfluss zudem nicht stören soll. Hier kann man oft machen was man will, richtig ist es eher selten - außer die Mannschaften spielen so, dass es zum Z passt ... ;)


    Aber in der Summe liest sich Dein Bericht doch wie ein "Passt scho".