Ich war heute in der Kreisliga C unterwegs, es spielte der Tabellenzweite (Heim) gegen den Drittletzten (Gast).
Vom Anpfiff weg entwickelte sich das erwartete Spiel: Heim ließ Ball und Gegner laufen und drückte erbarmungslos aufs Gästetor. Das war auch nicht weiter verwunderlich, da die Heimmannschaft über Spieler mit Bezirksligaerfahrung verfügt.
Der Gast konnte einem schon fast leid tun, die hatten wirklich nicht den Hauch einer Chance. Die ersten Tore fielen dann auch recht fix in der 4., 6., und 18. Spielminute.
Dann kam die 31. Minute, die mich im Nachhinein ein wenig an der Einstellung mancher SR-Kollegen zweifeln lässt:
Heim spielt sich im gegnerischen Strafraum fröhlich und ungestört den Ball zu und schießt aufs Tor. Der TW berührt den Ball zwar mit der Hand, doch er flog weiterhin, wenn auch deutlich langsamer, aufs nunmehr verwaiste Tor zu. Nun kam Spieler Nr. 2 der Gäste und klärte den Ball auf der Torlinie - in bester Torhütermanier mit der Hand.
Klare Sache für mich: Strafstoß und
, was anderes geht da einfach nicht.
Über den Strafstoß hat sich auch niemand beschwert, doch als ich die
zog fand ich mich in einer Spielertraube wieder.
Sowohl Spieler von Heim, als auch Spieler von Gast texteten mich voll:
"Ey Schiri,
reicht doch. Bei dem Spielstand..."
"Man Schiri, der Junge macht doch heute sein letztes Spiel vor seinem Auslandsstudium."
"Schiri, Fair-Play: Wir wollen nicht das der Gegner deswegen in Unterzahl spielen muss."
"Schiri-Lan, er is Gutajunge, hat nisch verdient."
"Schiri, Fingerspitzengefühl!!"
Gesagt werden muss dazu, dass die überwiegenden Kommentare aus den Reihen der Heimmannschaft kamen.
Trotz allem Verständnis meinerseits:
ist
. Er musste das Spielfeld verlassen.
Das Spiel lief auch ohne Spieler Nr. 2 weiter wie gehabt, zur Pause führte Heim mit 6:0.
In der Pause kam dann der Torhüter der Gäste auf mich zu und suchte das Gespräch:
"Schiri, der Junge macht heute sein Abschiedsspiel und wir möchten ihn nicht mit einem Platzverweis gehen lassen. Wenn jetzt also Heim damit einverstanden ist, dann könnten sie doch..."
An dieser Stelle unterbrach ich den Sportkameraden und teilte ihm mit, dass Regel nunmal Regel ist und ich mich grundsätzlich auf keine Kuhhandel einlasse. Wir sind beim Sport und nicht auf dem Basar.
Richtig spannend wurde es auch in der 2. Halbzeit nicht, und beim Stande von 11:1 für Heim pfiff ich kreuzpünktlich nach 90 Minuten ab.
Was ich allerdings nach dem Spiel von beiden Mannschaften zu hören bekam macht mich doch etwas sprachlos:
Offensichtlich lassen sich einige Kollegen in solchen Situationen bequatschen und ziehen dann nicht die fällige
. Manche lassen dann anscheinend auch einen Platzverweis nach dem Spiel dezent unter den Tisch fallen. Sowas nennt der gemeine Kreisligakicker dann "Fingerspitzengefühl", was mir völlig fehlen würde. Mit einigen Kollegen "könne man über sowas reden".
Gnade = Regelbeugung = Fingerspitzengefühl - hab ich was verpasst?