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  • »Silent_S« ist der Autor dieses Themas

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Freitag, 14. April 2017, 00:02

Die Absicht beim Handspiel

Ich habe eben so über dem Regelheft gesessen und da ist mir glatt wieder eine Szene bei meinem letzten Herrenspiel eingefallen, die bei den Gästen für viel Unmut gesorgt hat ("blablabla du pfeifst nur gegen uns" - das wurde dadurch, denke ich, ganz schön verstärkt):

Eine Flanke versucht der Verteidiger von Heim leicht links vor dem 16er mit dem Kopf nach vorne abzuwehren. Ihm misslingt das und der einzige Stürmer der Gäste erhält die Möglichkeit auf den freien Ball, der in Richtung Tor gespielt wurde. Allerdings ist der Ball noch nicht wirklich unter Kontrolle und hüpft noch etwas (sozusagen). Da passiert es. Ich denke mal, dass sich viele vorstellen können, dass man beim Laufen auch die Arme bewegt und sie in der Bewegung auch auf Höhe der Taille sein können. Der Angreifer schaut erst nach 'links' nach dem Ball, dreht sich dann, weil der Ball ihm 'im Rücken' eher auf die rechte Seite fällt. Der Ball berührt erst den Boden, springt dann gegen seinen Arm und fällt dann wieder zu Boden. Die Verteidiger schreien natürlich sofort wie die Irren, ich pfeife etwa eine Sekunde später auch wegen Handspiels ab. Der Spieler ist außer sich, möchte mir vermitteln, dass er keine Absicht hatte und es im Laufen nun mal passiert ist.


In den Regeln steht ja: "Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt"
Unter den zu berücksichtigenden Punkten findet sich auch das Thema "Unerwarteter Ball": Wenn ein Spieler den Ball nicht sieht, weil er im Rücken ist, sollte man dann hier auf Weiterspielen entscheiden? Sprich falsche Entscheidung und damit ein Tor der Gäste "geklaut"?
Das Problem für mich in der Szene war zudem, dass es so 50:50 war, wie der Ball sich dadurch verändert hat. Wie ihr sicher wisst, sind in der Kreisliga keine Messis unterwegs und der Ball verändert durch den Aufprall am Unterarm ganz leicht sein Verhalten. Sicherlich wird der Spieler davon profitiert haben, wenn auch minimal.



Was sagt ihr zu so einer Situation? Abpfeifen oder weiterspielen lassen?

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2

Freitag, 14. April 2017, 02:03

Eigentlich hast Du alles zum Thema gesagt, was es zu sagen gibt. Was jetzt in deiner Situation richtig war / gewesen wäre, lässt sich aus der Ferne einfach nicht sagen.

Prämisse Nummer 1 ist und bleibt (leider von vielen SR anscheiend vergessen): ABSICHT. Absichtliches Handspiel ist strafbar, unabsichtliches nicht.

Schwierig wird die Entscheidung dadurch, dass auch Fahrlässigkeit zur Absicht gezählt wird. Jemand, der mit geschlossenen Augen und erhobenen Händen durch den Strafraum läuft, hofft zwar, dass er den Ball mit der Hand aufhält, kann aber keine absichtliche Hand spielen (er sieht den Ball ja nicht). Trotzdem ist es ein strafbares (im Sinne der Regeln: absichtliches) Handspiel wenn der Ball dann gegen die Hand klatscht. Und das macht die Entscheidung für den SR so schwer.

Also: Je mehr unkalkulierbare Aspekte in ein Handspiel reinspielen, umso geringer wird die Absicht (und damit auch die Strafbarkeit). Kurze Distanz, ungewöhnliche Flugbahn/Bewegung des Balls, aber auch geringe Spielklasse (wie Du sagst) sind solche Faktoren, die gegen Absicht sprechen.

Man muss aber auch festhalten, dass es einen sehr großen Graubereich gibt, in dem keine Entscheidung klar richtig oder klar falsch ist, sondern man mit geschickter Argumentation beide Entscheidungen vertreten kann. Dazu zähle ich auch Deine Situation (wie ich sie mir vorstelle). Wichtig ist: Mache Dich persönlich mit den Regeln vertraut und definiere Deinen eigenen Standard, was Du als Absicht definierst und was nicht. Andere SR werden es anders handhaben, aber solange Du konsistent entscheidest (natürlich innerhalb der Regeln), ist das perfekt. (Persönliche Meinung: Viele SR pfeifen deutlich mehr Handspiele als notwendig. Bei Weitem nicht jeder Hand-Ball-Kontakt ist strafbar, einige SR, gerade in unteren Klassen, machen sich das Leben so aber leicht -- zu einfach.)

EDIT: "Sicherlich wird der Spieler davon profitiert haben, wenn auch minimal." -- Ob ein Spieler von einem Handspiel profitiert oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle. Man kann auch ein absolut reguläres Tor mit der Hand erzielen, vorausgesetzt, es war wirklich keine Absicht. Dadurch entsteht zwar ein Vorteil, das Tor war aber regulär. Die Meinung, dass ein Handspiel abzupfeifen sei, wenn der Spieler sich dadurch einen Vorteil verschafft, ist nur am Stammtisch gültig, aber nicht auf dem Platz. Das ist wichtig zu betonen.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »zettelbox« (14. April 2017, 02:07)


Manfred

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3

Freitag, 14. April 2017, 07:40

Merke: Wir können keine Gedanken lesen! Daher gibt uns das Regelbuch auch Anhaltspunkte, wann aus Sicht des Regelgebers ein Handspiel vorliegt und wann nicht (kurze Entfernung und normal gehaltener Arm).

In der Praxis erkennst Du im Regelfall am Bewegungsablauf und vor allem dem Gesichtsausdruck - zum Glück gibt es da nur wenige gute Pokerspieler -, ob das nun Absicht war oder nicht. Aber selbst wenn Du keine Absicht erkennst, gibt es Fälle, in denen alleine wegen des Zeitraums zwischen Ballabgabe und Handkontakt eben davon ausgegangen werden muss, dass der Spieler die Hand auch hätte wegräumen können. Ein weiterer Klassiker ist die "Schutzhand", bei dem die originäre Ansicht ohne jeden Zweifel der Schutz des Körpers ist und wo sich die Hand auch nicht explizit zum Ball bewegt, aber der Kontakt der Hand mit dem Ball explizit gewollt ist.

Der Umstand, dass nach jedem Handkontakt Brüllerei auf und um den Platz herrscht ... Persönlich pfeife ich gefühlt die Hälfte der Handkontakte, was einen gewissen Einblick gibt - und manchmal frage ich dann auch einen der Meckerer, ob der Spieler, der den Ball mit der Hand berührt hat, den Arm abschrauben solle; manchen Spieler bringt das doch zu einem Denkprozess.

Weniger Stress hast Du, wenn Du nach der Devise "Im Zweifel gegen den Handspieler" agierst, nur ist das nicht unbedingt regelkonform, auch wenn weitaus mehr Ruhe auf dem Platz ist.
Fußball ist die schönste Nebensache der Welt.

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